Wer eine aufgestellte Weihnachtskrippe betrachtet, ist sich darüber sicherlich nicht zwangsläufig bewusst, aber das oft in prachtvollem Rahmen dargebotene Szenarium wimmelt nur so von symbolträchtigen Details.

Kern einer jeden Krippendarstellung ist zweifelsohne der Stall in dessen Inneren sich das weihnachtliche Wunder vollzog, er beherbergt die hl. Familie sowie Ochs´ und Esel. In der Regel finden wir die Gottesmutter auf der linken Seite des Stalles, bzw. zur Linken des Christkindes. Die linke Seite als Evangelistenseite bezeichnet, ist die Richtung aus der die Hirten sich dem Stall nähern. Der weiße Schleier Mariens steht für deren Unschuld, die unbefleckte Empfängnis, das Blau des Gewandes oder Mantels zeigt die Treue, ein rotes Untergewand hingegen die Liebe zu ihrem Kind. Der hl. Josef steht in der Regel auf der rechten Seite, zur Rechten des Kindes. Diese Seite gilt als Epistelseite, von rechts strömt der Zug der hl. 3 Könige zur Ereignisstätte. Mantel und Stab weisen Josef als Beschützer der Familie, insbesondere des Neugeborenen aus. Mit seiner Laterne bringt er Licht in das nächtliche Dunkel des Stalles, ja in die Welt. Da Josef ursprünglich "nur" als Pflegevater Jesu angesehen wurde, stand die Josefsfigur in der Krippe, vor oder neben dem Stall, entfernt von Mutter und Kind, herausgelöst aus dem zentralen Geschehen. Ochs´ und Esel werden in den Evangelien zwar nicht erwähnt, sehr wohl aber in anderen uralten Quellen, die nicht in die Testamente aufgenommen worden sind. So bevölkern seit dem Beginn der Krippenbräuche den Stall zu Bethlehem, in den ältesten Krippendarstellungen sogar alleine mit dem Krippenkind. Der kraftvolle, aber sanftmütige Ochse wird als Stallpatron angesehen, er ist das reine Tier, welches das Judentum symbolisiert und wird gleich dem Josef in der rechten Hälfte des Stalles platziert. Der Esel ist der Gegenentwurf zum Ochsen: als das unreine Tier verkörpert er das Heidentum und steht links hinter der hl. Maria. Gleichzeitig aber hat der Esel an vielen wichtigen Ereignissen im Leben Jesu Anteil: ob beschwerlich weiter Weg zur Volkszählung nach Bethlehem, Herbergssuche, Geburt, rettende Flucht nach Ägypten oder furioser Einzug in Jerusalem, immer ist der Esel an der Seite des Gottessohnes. Die Anwesenheit des Esels im Stall deutet die zukünftigen Ereignisse im Leben Jesu also schon an.

 

Wie bei den 3 Weisen, so sind auch unter den Hirten drei namentlich bekannt: Cyriakus, der 60jährige steht für den letzten Lebensabschnitt, wird mit Glatze oder weißem Haar und weißem Bart dargestellt. Zumeist kniet er demütig vor der Krippe mit dem Kind, manchmal hat er einen Knaben, seltener ein kleines Mädchen bei sich. Achad, der 40jährige Hirte symbolisiert den mittleren Lebensabschnitt der Menschen. Er ist in den besten Jahren und wird häufig mit geschultertem Lamm dargestellt. Misael, der 20jährige Hirtenjüngling verkörpert die Jugend, die Unbekümmertheit und Schönheit. Neben diesen drei Hirten, kommen zahlreiche weitere von ihnen zum Stall nach Bethlehem. Mit ihren Instrumenten und kleinen Gaben huldigen sie dem göttlichen Kind. Die Hirten waren als Volksgruppe die unterste gesellschaftliche Schicht und die Tatsache, dass Gott sie durch seinen Engel als erste zu seinem Kinde rufen ließ, zeigt, dass er keine weltlichen Unterscheidungen vornimmt, vor ihm alle Menschen gleich gut angesehen sind.

 

Die symbolträchtigsten und wohl auch faszinierendsten Figuren der Krippe sind zweifelsohne die drei Weisen, welche in der Bibel als Magier oder Sterndeuter und seit der Gothik auch als Könige bezeichnet werden. Sie und ihr Gefolge bilden den aufwändig gestalteten, prachtvollen Widerpart zu dem bodenständigen, armen Hirtenvolk. Geht es darum die Namen der 3 Weisen aufzuzählen, so bereitet das in der Regel niemanden große Schwierigkeiten. Der Älteste unter ihnen ist Melchior, der Europäer von weißer Hautfarbe, mit Glatze, schlohweißem Resthaar und ebensolchem Bart. Man findet ihn häufig kniend vor dem Kind. Seine Gabe ist das Gold- Ausdruck des Reichtums und der weltlichen Macht, die Melchior innehat und die er nun im Stall zu Bethlehem an den neugeborenen Heiland weiterreicht. Mit seinen 60 Jahren versinnbildlicht er darüber hinaus die Weisheit des Alters. Sein Reittier ist das Pferd. Der zweite im Bunde ist Balthasar, der Orientale aus dem nahen Osten, welcher an seinem hellbraunen Teint, dem kurzen schwarzen oder brauenen Bart und ebensolchem, vollem Haupthaar erkennbar ist. Seine Gabe ist der Weihrauch, der für das Gebet und das Opfer an Gott steht. Der Charakter Balthasars hingegen drückt Tatkraft und Selbstbewusstsein aus- Attribute, die er dem Kind durch seine Anwesenheit weitergibt. Sein Reittier ist der Elefant. Der dritte König ist Caspar, der Äthiopier als Mohr dargestellt und mit 20 Jahren der jüngste Weise. Seine Gabe an das Kind ist die Myrrhe, Zeichen der Unsterblichkeit, seine jugendliche Erscheinung bringt die Freude in den Stall und sein Reittier ist das Kamel. In der Gesamtheit stehen die 3 Weisen für die 3 Lebensalter, die 3 damals bekannten Kontinente (Europa, Asien, Afrika) und 3 Menschenrassen (Europäer, Asiaten, Afrikaner). Mit den Königen und ihrem prunkvollen Zug huldigt quasi die ganze Welt dem neugeborenen Gottessohn. Außer in jeder Krippendarstellung, in der bildenden Kunst oder durch die Gebeine im Schrein des Kölner Domes, wird man durch die Namen zahlreicher Hotels, die „Krone“, „Mohr“, „Stern“ oder „Elefant“ heißen, an das Andenken der 3 Weisen erinnert.

 

Neben diesen hauptsächlichen Symbolträgern, bevölkern weitere die Krippenlandschaft:

Schafe symbolisieren, alle Menschen, welche abgesehen von den konkret dargestellten, bekannten Personen, das Kind an der Krippe besuchen, um es anzubeten. Sie gelten zu dem als "der Schnee auf der Krippe", weshalb es angepasst an die jeweiligen Platzverhältnisse, nie zuviele Schafe in einer Krippenlandschaft geben kann. Anderen Tieren wie Ziegen, Hunden und solchen im Gefolge der hl. 3 Könige, schreibt das Krippenwesen die üblichen, aus dem Volkstum schon bekannten, Eigenschaften zu.

 

Die Symbolik endet bei Menschen und Tieren an und in der Krippe aber nicht. Auch in der Stilistik und dem Zustand von Gebäuden, sowie mit der Anwesenheit bestimmter Pflanzen oder von Himmelskörpern, kann der Schöpfer einer Krippe metaphorische Botschaften aussenden. Zu den populärsten Beispielen dürften Ruinen (Zerfall der alten heidnischen sowie Beginn der neuen christlich geprägten Weltordnung), Palmen (Orient, Leben in lebensfeindlicher Umgebung) und natürlich der beschweifte Stern von Bethlehem als Wegweiser für die 3 Weisen sein.

 

Darüber hinaus kann man viele, viele subtile Andeutungen in etlichen Details einer aufgebauten Krippe finden. Wer diese umfassende Thematik bis ins Kleinste erkunden möchte, der wird leicht in einschlägiger Literatur fündig, die in der digitalen Zeit mit wenigen Klicks oder aber einer klassischen Anfrage im stationären Buchhandel, aufzufinden ist.

Guido H. Espers Krippenkabinett | Weihnachtskrippen | Krippenfiguren | Gipsfiguren