Die Historien der Herstellerbetriebe sind hier mit den wichtigsten Fakten dargestellt. Zu etlichen Marken liegen darüber hinaus weitere Daten oder detaillierte Werdegänge vor. Bei Bedarf können Sie diese Informationen gerne erfragen.

 

"Alt Elfenbein", "Elfenbeinmasse", "Steinmasse" oder "Hartguss" waren Synonyme der Gipsfabrikanten für den Begriff “Gips”. Da seit dem gehäuften Aufkommen von Gipsfiguren das Material dafür durch die Amtskirche und so genannte "Kunstvereine" beständig heftiger Kritik ausgesetzt und nicht zuletzt deshalb allgemein als minderwertig und vergänglich angesehen war, versuchte man mit diesen Synonymen die Verwendung des Gipses zu verschleiern, die Produkte in den Werbetexten als solide und langlebig erscheinen zu lassen.
 
Bercker: Mitinhaber des Unternehmens Butzon & Bercker, das 1870 als Buchbinderei und Verlag für Gebetbücher gegründet worden war. Zunächst von ihm singulär betrieben, gewann Franz- Hermann Bercker um 1874 den Fabrikanten Hermann Butzon als Partner für sein Unternehmen, woraufhin der noch heute genutzte Name der Firma, das inoffizielle Handelskürzel "B&B", sowie als Marke das Wappen mit dem Anker und den 2 Sternen darin, entstanden. Bercker nutzte als erster den Kunststoff Berkalith zur Figurenproduktion in großem Stil. Die Eignung des Berkaliths als Gießmaterial hatte zuvor Fritz Wulfert entdeckt. Bercker und Wulfert gründeten ein eigenes Unternehmen, welches die Figuren aus Kunstharz exklusiv für den Vertrieb durch Butzon & Bercker fertigte. Als Ableitung des Namens Bercker, wurde der zunächst als Leim verwendete neue Werkstoff „Berkalith“ genannt. Allerdings blieb dieser Namen ungeschützt, weshalb die Konkurrenz Berkalith ebenso zu nutzen begann, es in Ableitung aus dem eigenen Namen aber entsprechend "Romalith", "Domolith", "Fricolith", "Kerkolin", "Gesulit" usw. betitelte. Auf diese Weise löste der aufkommende Kunststoff in den 1950er Jahren Schritt für Schritt den Gips als Werkstoff ab. Butzon & Bercker sind noch heute am Markt und führen ein großes Sortiment an (religiösen) Büchern, Krippen- und Heiligenfiguren, sowie Devotionalien und Kirchenbedarf. Die Figurenproduktion wurde aus Kostegründen inzwischen komplett ins Ausland verlagert.

 

Figuren aus Kunstharz sind relativ teuer und konkurrieren heutzutage mit Billigimporten aus China um die Käuferschaft. Nachdem in den 1990er Jahren mit Keramik- bzw. Porzellanfiguren (einer häufig zweifelhaften Sortierung wie Qualität) aus Fernost Deutschlands Baumärkte, Gartencenter und Warenhäuser geflutetet worden waren, folgten mit einer Verschnaufpause Plagiate von Südtiroler Holzfiguren aus Polyresin. Diese den holzgeschnitzten Figuren verblüffend ähnelnden Nachahmungen kamen über Internetauktionshäuser und -shops an den Mann. Die zunächst völlig überrumpelten Schnitzer intervenierten schließlich und sorgten mit Lizenzverträgen dafür, dass sie am Geschäft mit der noch für Jahre nicht abebben wollenden Lawine aus nachgeahmter China- Ware, zumindest monetär beteiligt wurden. Inzwischen ist der Markt für diese fernöstlichen "Matthias", "Markus" und "Johannes" Krippen durch eine rapide gesunkene Nachfrage weitgehend reguliert.

 

Berkalith, ein Gießharz welches zunächst als Leim in der Dynamit- Industrie verwendet wurde. Die Firma Dynamit AG Troisdorf belieferte die Figuren- gießereien fässerweise mit diesem Werkstoff, nachdem der eigentliche Leim von Fritz Wulfert als Rohstoff zum Figurengießen entdeckt und von Franz- Hermann Bercker als solcher etabliert worden war. Das flüssige Kunstharz verrührte man nur noch mit einem Härter und gab es anschließend in die vom Gipsguss bekannten Mantelformen. Die Härtung der Figuren musste über einige Stunden hinweg im Ofen erfolgen, da Berkalith ein warmhärtendes Kunstharz ist. Inzwischen wird Berkalith nicht mehr für Figuren verwendet, da der einzige Lieferant dafür auf den Werkstoff Polyurethan umgestellt hat. Dieses Harz ist kalthärtend und kann nicht in den üblichen Mantelfpormen verarbeitet werden, so dass die Figuren heute mittels Silikonformen entstehen. 

 

B.G.K. ist die Marke des Kevelaerer Verlages "Baers & Girmes". Einer der Teilhaber, Peter Girmes, gründete 1948 eine eigene Gipsfabrik (Marke P.G.K.).

 

Bösgen, Heinrich sen. (1854 bis 1918) gründete 1878 in Geldern am Niederrhein sein "Institut für kirchliche Kunst", welches sich für die Innenenirichtung von Kirchenräumen empfahl. Neben Altären, Kanzeln und Statuen bezeichnete man Krippenfiguren und Kreuzwege als "Specialität". Sein Bruder Friedrich unterhielt eine ähnliche Unternehmung in Liegnitz / Schlesien.  Der Sohn Heinrich Böskens, Heinrich jr. (1883 bis 1969), durchlief eine profunde Ausbildung im Bereich künstlerischer Gestaltung und stieg danach in die väterliche Firma ein, welche er nach dem Tode des Seniors eigenverantwortlich weiterführte. Der Werdegang der Firma Bösken ist gut dokumentiert und durch mehrere Expansionsphasen gezeichnet an deren Ende ein Unternehmen entstanden war, das die Bezeichnung "Fabrik" allemal rechtfertigte. Die Marke der Firma lautet H.B.G. welche in verschiedenen Ausgestaltungen überliefert ist. Allen Varianten gemein ist dabei, das von einem Kleeblattkreuz gekrönte Wappen, in dem sich drei kleinere Wappen befinden. Umrahmt ist das Gebilde von einer Elipse, die Positionierung der Buchstaben H, B und G variiert.

 
Christuskörper oder nur „Körper“ wurden die Figuren des Gekreuzigten genannt. Neben der Fabrikation von Heiligen- und Krippenfiguren gehörte die von Kreuzen samt Körper zu einem weiteren wichtigen Standbein der Branche.

 

Carl Walter war ab vermutlich den 1880er Jahren der Betreiber der "Kirchlichen Kunstanstalt zu Trier", also einer Figurenfabrik in Trier. Die Figuren wurden durchweg nicht aus Gips, sondern aus "Terracotta", einem Gemisch aus Tonen und Zusätzen, gefertigt. Es ist überliefert, dass für die Fertigung einzelner Figuren bis zu 20 Formteile nötig waren. In diese Formteile hinein wurde per Hand das Material gedrückt und die auf diese Weise erhaltenen ausgeformten Einzelteile  zu der gewünschten Figur zusammengesetzt. Im anschließenden Brennvorgang härtete das Material aus, was den Terracotten eine etwas höhere Haltbarkeit als den Gipsfiguren bescherte. Zum Brennen wurden die vorgetrockneten Rohlinge von Trier aus ins saarländische Mettlach gebracht, wo sie in den Porzellanöfen der Fa. Villeroy & Boch gebrannt wurden. Zum Auftragen der Polychromie mussten die Rohfiguren zurück nach Trier transportiert werden, um in den Werkstätten Carl Walters vollendet zu werden. Zur Vollendung gehörte auch, dass Hirten und Treiber mit verschiedenartigen Stäben ausstaffiert wurden. Soweit noch nachvollziehbar hat die Fabrik Carl Walter nur zwei unterschiedliche Sätze editiert. Bei dem bekannteren und häufig überlieferten Figuren- Ensemble, handelt es sich um die "Nagel Krippe", ein Satz, dessen Namen vom Modelleur der Figuren, A. Nagel, herrührt. Die Nagel Krippe bestand aus 25 Figuren, darunter je 6 Hirten- und Schafsmodelle, ein Hirtenhund, Elefant, Elefantentreiber und eine Gruppe aus Kamel & Treiber. Der Satz ist in nur wenigen Kollektionsgrößen gefertigt worden. Zur Ergänzung hielt das Sortiment ein Paar kniender Anbetungsengel bereit. Walter Krippen waren gerade in der Eifel sehr beliebt und sind hier in vielen Kirchen überliefert. Neben Krippenfiguren produzierte der Betrieb auch Heilgenfiguren, Kreuzwege usw. Die Kirchliche Kunstanstalt Carl Walter erhielt für ihre Arbeiten 1897 auf der Weltausstellung in Brüssel den Ehrenpreis (Prix d´Honneur) und wurde bis 1939 betrieben.


Deutsches Kunsthaus, Düsseldorf: Obschon am Niederrhein aber nicht in Kevelaer ansässig, einer der wichtigsten Betriebe innerhalb der gesamten Branche. Es wurde zumindest zeitweise vom Orden der Steyler Missionare betrieben (Marke: D.K.H.). Die Angehörigen des Ordens waren in Leitung sowie Produktion involviert und von ausgebildeten Fachkräften unterstützt fertigte man nicht nur die gängige Ware im Nazarener Stil, sondern auch Stücke im Gewand moderner Stilrichtungen. Zudem befanden sich im Sortiment viele Krippensätze, die die Arbeiten bekannter Bildhauer und Maler zum Vorbild hatten. Die Erzeugnisse des Deutschen Kunsthauses genossen hohes Ansehen ob ihrer künstlerischen Qualität, weshalb viele angehenden Modellmacher, Figuristen und Polychromeure aus Kevelaer zur Ausbildung nach Düsseldorf entsandt worden sind. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges zeichnete sich der Untergang der einst blühenden Firma ab. Nach einem Besitzerwechsel wurde 1948 mit der Währungsreform die Betriebstätigkeit eingestellt. Siehe auch: Winning

 

Dürer Krippe: Dürer Krippen sind so genannte Stilkrippen in diesem Fall nach Vorbildern in der bildenden Kunst geschaffen. Der Renaissance Maler Albrecht Dürer (21.05.1471 bis 06.04.1528) hat sich in vielen seiner Werke mit dem Leben Jesu Christi auseinandergesetzt. Besonders der Weihnachtsgeschichte hat Dürer etliche Zeichnungen und Studien aber auch ein paar seiner Hauptwerke gewidmet. Die von Dürer gestalteten Personen nahmen sich die Modelleure zum Vorbild, womit die "Dürer Krippe" geboren war. Dürer Krippen  weisen somit eine Reihe Charakteristika auf, die im Folgenden erläutert werden: Maria, Josef und die Hirten sind im Stile mittelalterlicher Bauern und Handwerker gekleidet. Die kniende Jungfrau hält die Arme hoch über Brust verschränkt, trägt einen weißen Schleier zu einem dunkelblauen Gewand. Der mal stehende, mal kniende Josef ist mal mit Stab und oder sechseckiger Laterne sowie auch gänzlich ohne diese Attribute dargestellt. Die Anleihen für das hl. Paar stammen aus dem Werk "Geburt Christi", das den Mittelteil des Paumgartner Altars bildet und nach 1503 fertiggestellt wurde. Die drei Könige wurden diesen von "Anbetung der Könige", welches für die Schlosskirche Wittenberg 1504 vollendet wurde, nachempfunden. Dürer zeigt die Weisen, ausstaffiert mit den  Attributen weltlicher Herrscher des Mittelalters, als jungendlichen Mohren (Caspar), reifen Mann (Balthasar) und Greis (Melchior). Der Balthasar wird als Selbstbildnis Dürers gedeutet, mit langem Haar und Vollbart, geschmückt mit (Bürgermeister)kette und Rubinmedaillon, ein befedertes Samtkäppi in der linken, sowie einen keulenartig gestalteten, mächigen Goldpokal in der Rechten mit sich führend. Er trägt ein smaragdgrünes Gewand mit reich besticktem  Überwurf, dessen Saum mit Goldquasten versehen ist. Caspar erscheint in roten Strumpfhosen und nachtblauem Poncho mit Federhut, weißen Handschuhen und einem ebenfalls unverwechselbar gestalteten, kügelförmigen Myrrhegefäß. Melchior der Greis, ist vor dem Kinde niedergefallen, hat seine Krone abgelegt und überreicht  purpur bemantelt dem Jesusknaben die Goldschatulle. Vorne rechts der Anbetungsszene ist ein hellhäutiger Vasall zu sehen, dessen Kopf mit Turban und Fez bedeckt ist und der einen Futtersack mit sich führt. Diese Person wurde als Vorlage für den Treiber in Dürer Krippen hergenommen. Im tieferen rechten Hintergrund ist das Gefolge der Könige, bestehnd aus Pagen und Reitpferden, die sogenannte "Reiterei" auszumachen. Die Reiterei ist der Grund dafür, dass in stilstringenten Dürer Krippen anstatt eines Kamels ein Schimmel als Reittier der Könige gezeigt wird. Da die beiden Gemälde Dürers keine Hirten im klassischen Sinne zeigen, wurden diese nach Personen aus dem Hintergrund von "Geburt Christi" als Vorlage gestaltet. Als typische Dürer Hirten dürfen ein Dudelsackpfeifer, ein kniender Hirt sowie ein Bauer mit Horn und rundlich geformten Hut angesehen werden. Immer mal wieder findet man auch einen Hirten, der ein Lamm unter einem Arm "geklemmt" hält, das halb vom Umhang des Trägers verdeckt wird- ein Modell, das ob seiner Häufigkeit ebenso als typisch angesehen werden darf. Eine weitere typische Dürer Figur ist häufig der Gloriaengel. Auf "Geburt Christi" ist im Hintergrund am Himmel, ein recht dynamischer Engel zu sehen, welcher tatsächlich "in vollem Flug" zu sein und nicht wie in anderen Darstellungen üblich über dem Stall auf der Stelle zu schweben scheint. Besonders vorlagengetreue Umsetzungen der Dürer Motive sind den Betrieben Schmidt & Heckner, Köln und Deutsches Kunsthaus, Düsseldorf gelungen. Nachdem nun die Dürer Krippe am Markt etabliert und erfolgreich von der Käuferschaft angenommen worden war, hatte bald darauf jeder Anbieter eine Dürer Krippe im Sortiment. Damit diese Krippen sich nicht glichen wie ein Ei dem anderen, legte man das Dürer Thema bald freier aus, um die Sortimente unterscheidbar zu halten- ein paar wenige wesentliche Stilelemente sind dabei aber immer erhalten geblieben. Die freie Auslegung führte dazu, dass Könige Pluderhosen trugen, riesige Ferderhüte nach Vorbild der Musketiere aufgezogen bekamen, Stadtschlüssel, Geldtaschen sowie andere Insignien der Mächtigen oder Edemänner mit sich führten und der Phantasie im Bezug auf die Gestaltung der Gewandung keine Grenzen gesetzt schienen. Hier verraten dann lediglich noch kleine erhalten gebliebene Details die eigentliche Provinience der Entwürfe. Eines aber hat sich niemand getraut nachzubilden: Auf "Anbetung der Könige" scheint der Jesusknabe dem ihn anbetenden Melchior die Goldschatulle geradezu entreißen zu wollen, so fest klammert er sich an diese. Dürer drückte damit aus, dass die Macht über die Welt, für welche die Gabe "Gold" steht, in diesem Augenblick aus weltlicher Herrschaft auf die göttliche übergeht. Ganz schlicht betrachtet aber, hätte man dem Kind das Ganze auch als Gier auslegen können. Die in den Seelen der Bevölkerung tief verwuzelte Volksfrömmigkeit hätte derartiges jedoch niemals akzeptieren können. So wurde aus der Vorsicht heraus keine potentiellen Kunden abschrecken zu wollen, das Machtübergabemotiv in Dürer Krippen einfach übergangen.

 

DvO (ebenso DOK) ist die Marke der Kevelaerer Devotionalienfabrik "Daniels & van Ooyen". Der Betrieb bestand von den 1930er Jahren bis etwa 1950. Nach dem Tode van Ooyens gründete der zweite Inhaber Daniels eine neue Firma.

 

Dyx Arnold (*10.01.1871 + 09.01.1952) und Heinrich waren Inhaber des 1903 gegründeten Verlags mit Namen "Gebrüder Dyx" in Kevelaer (Marke: G.D.K.). Wie alle reinen Verleger, fertigte der Betrieb nicht selbst, sondern ließ die Modelle, an denen eigene Patente gehalten wurden, in Lohnarbeit von Gipsgießereien und Polychromieateliers fertigen. Die Brüder Dyx waren im Messegeschäft sehr aktiv. Nach dem 2. Weltkrieg existierte die Firma mit etwas anderem Sortiment (Schwerpunkt waren jetzt Heiligenbilder aller Art) noch eine Zeit lang weiter, wurde jetzt aber von Albert Dyx, dem Sohn bzw. Neffen der Firmengründer geleitet (Marke: H.A.D). 


Emil Goebel in Drolshagen war Betreiber einer Devotionalienfabrik, die dafür bekannt ist, dass ein hoher Anteil der Figurenproduktion aus Ton und nicht aus Gips erfolgte. Das Material Ton erschien unter diesem Namen, ähnlich wie auch der Gips, nie in den Anzeigen der Fabrikanten, sondern firmierte unter der Bezeichnung „Terracotta“. Emil Göbel war für verschiedene Hersteller von Krippenfiguren tätig gewesen, bevor er Mitte der 1930er Jahre seinen eigenen Betrieb in Düsseldorf gründete. Nachdem es seine Angehörigen in den Kriegswirren nach Drolshagen im Sauerland verschlagen hatte, verlegte er den Betrieb nach dem Krieg ebenfalls dort hin. Nach Emil Göbels Tod führte seine Witwe die Geschäfte noch bis 1965 weiter.   Als der Inhaber einer Figurengießerei in Kevelaer Anfang der 1970er Jahre die Witwe Emil Goebels bezüglich der Übernahme von Modellen kontaktierte, drohte diese ihm, die Modelle lieber zu zerschlagen, bevor sie ihm diese über- und damit zuließe, dass "ein anderer unsere Modelle herstellt".

Figurist: Hierbei handelt es sich um die Bezeichnung für einen Handwerksberuf. Der Figurist war darin geschult, Formen von den Modellen zu nehmen und Figuren jeglicher Art und Größe zu gießen. Ob ihrer Größe wurden etliche Stücke in Einzelteilen gegossen und erst nach deren Erhärten aus diesen zusammengesetzt. Auch das korrekte Einlegen der Verstärkungsdrähte in die Formen, war Aufgabe des Figuristen, ebenso beherrschte er den Umgang mit den zum Teil recht kompliziert aufgebauten Formen. Insgesamt sorgte er dafür, dass die Rohlinge alle nötigen Produktionsschritte durchlaufen hatten und damit für die Polychromie bereit waren.

 

Franz Wand: dieser Inhaber einer großen Gipsfabrik (Marke: F.W.), gründete sein Unternehmen nach 1920. Das weiß man, weil Franz Wand anno 1920 geheiratet hat und sein Wohnort zu dieser Zeit Köln, sein Beruf "Kaufmann" gewesen ist. Später baute er in Mönchengladbach seine Gipsfigurenfabrikation auf, produzierte in eigenen Werkstätten und handelte mit eigenen Modellen. In den 1950er Jahren baute sein Geschäftspartner die "Kunststoffschiene" auf und löste sich bald von der Firma, um eine eigene Unternehmung in diesem Segment zu starten. Am Ende des gleichen Jahrzehnts verschwanden die Produkte der Firma Franz Wands vom Markt.

 

F.C.K. ist die Marke der 1946 gegründeten Devotionalienfabrik von Fritz Cox. Anders als die Firmenbezeichnung impliziert, handelte es sich bei dem Betrieb um einen reinen Verlag, der lediglich die Gipserzeugnisse anderer Hersteller vertrieb. Zusätzlich ließ Cox eigene Modelle entwerfen, an denen er die Patente hielt und unter der genannten Marke handelte. Etliche dieser Modelle gehen auf einen der Söhne van Meegens zurück- sie sind zum Teil noch heute (in Kunstharz gegossen) im Sortiment der Fa Cox zu finden. Ein weiteres Beispiel für die enge Verzahnung der Mitglieder von Gipserfamilien untereinander, ist die Tatsache, dass Fritz Cox selbst bis zur Gründung seiner Firma, bei den Gebrüdern Dyx als Vertreter tätig gewesen war.


Gips = Kalziumsulfat ist ein pulverförmiger Baustoff, der durch Zugabe von Wasser zunächst zu einer geschmeidigen, be- und verarbeitbaren, breiigen Masse wird und letztlich hart austrocknet. Als Material für Figuren war er beliebt, weil billig zu beschaffen und leicht verarbeitbar. Mittels entsprechender Formen konnten aus Gips auf einfachem Wege Dinge geschaffen werden, die einen hochkünstlerischen Eindruck machten. Zwar scheint das erhärtete Material fest und belastbar, ist aber doch spröde und damit leicht zerbrechlich.

Hanenberg, Gabriele: Inhaberin einer Devotionalienhandlung in Kevelaer auf deren Betreiben hin für ein paar Jahre wieder Gipsfiguren hergestellt wurden. Inzwischen ist die Produktion aber wieder ausgelaufen. Bei den angebotenen Sätzen handelte es sich um der Größe nach zusammensortierte Sammelsurien über viele verschiedene Urheber hinweg. So finden sich in einem 20er Satz neben Figuren von Schmidt & Heckner solche von Franchi und anderen. Zudem lässt die Polychromie arg zu wünschen übrig, sie ist vom hohen Standart der originalen Hersteller weit entfernt. Letztlich war der Preis grotesk überzogen.

 

"H.D.T." ist das was häufig dabei rauskommt wenn es darum geht die Ligatur der Marke H.J.D. zu entziffern. Die Marke steht für die Brüder Delin, die in Paris die Firma Delin Fréres leiteten über deren Werdegang unter H.J.D. berichtet wird.

 

H.J.D. ist die Marke der Pariser Gipsfigurenfabrik Delin Fréres. Die Firma ist etwa Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Bildhauer Ignanz Raffel gegründet worden, nachdem dieser aus Südtirol nach Paris eingewandert war. Die Brüder Henry und Jean Delin stiegen mit in die Firma ein und so lautete zu dieser Zeit  die Marke R.D.F. für R affel D elin F réres. Nachdem Ignanz Raffel nicht mehr Teilhaber der Firma sein konnte, fertigten die Delins unter der Marke H.J.D. für H enry & J ean D elin. Wie in beinahe der gesamten Branche zu beobachten, fallen auch ältere Stücke aus den Werkstätten der Delins durch eine wenig ausgefeilte Polychromie auf. Die Modelle dieser Firma selbst hingegen erfreuten sich solch großer Beliebtheit, dass sie schon bald auch von anderen Gipsfabrikanten gegossen wurden. In Deutschland ist das für die Betriebe Deutsches Kunsthaus, Düsseldorf und später für die Firma Heinrich Kerkhoff, Kevelaer belegt. Die Gipsfabrik der Delins soll bis in die 1960er Jahre hinein bestanden haben.

 

Holtmann, Jacob war ein Kevelaerer Bildhauer, der von 1863 bis 1935 lebte. Er schuf und hinterließ zahlreiche Werke aus Holz- vor allem im sakralen Bereich. Ab 1914 bis zu seinem Tode lebte und wirkte er in Osnabrück und dessen Umland. In diesem Abschnitt seines Lebens, schnitzte Holtmann mehrere Kirchenkrippen mit großformatigen Figuren, darunter eine für den Osnabrücker Dom (ab 1919).  Typisch für Holtmann Krippen sind der Nazarener Stil, die oft kahlköpfigen Schafe und das liegende Kamel (es gab aber auch eine stehende Variante). Die von Holtmann geschnitzten Krippenfiguren sind Unikate. Die in Kevelaer und München ansässige Gipsfabrik Katholische Volkskunstanstalten (KVA) erwarb die Patente an den Figuren Holtmanns und damit das Recht als einziges Unternehmen diese Figuren in beliebiger Stückzahl aus Gips nachzugießen. Im Rhein- und Emsland, den Wirkungsstätten Holtmanns, sind dessen Krippen in Gips noch recht verbreitet- von einem Satz in 100 cm Kollektionsgröße weiß ich, dass er bis heute in einer schwedischen Kirche alljährlich aufgestellt wird. Die Holtmann Modelle, welche einst als Grundlage für die Gipsfiguren dienten, werden immer noch in 18 cm, 50 cm, 70 cm und 100 cm aus Gießharz hergstellt. Hersteller ist die Nachfolgefirma der KVA von Pferdmenges in Kevelaer. Da Holtmann in seinen Werkstätten, in denen etliche Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen beschäftigt waren, um ihm zur Hand zu gehen, ausschließlich Unikate in Holz arbeitete, findet man auf Gipsfiguren aus den Holtmannkrippen nicht seine Marke, sondern die der KVA.

 

Inhetvin, Hermann war ein 1887 in Geldern  am Niederrhein geborener Holzbildhauer (gestorben 1973). Sein bekanntestes erhaltenes Werk schuf er 1928 mit der Krippe für die Neoromanische Kirche zu Köln, welche das drittgrößte Gotteshaus dieser Stadt darstellt. Neben 20 Figuren, welche zumeist Gruppen aus 2 bis 3 Personen und oder Tieren zeigen, schuf Inhetvin den passenden Stall, sowie spektakuläre Umbauungselemente, die seine Krippe ins rechte Licht zu rücken vermochten. Diese Umbauungselemente, welche u. a. den Hochaltar der Kirche im Krippenhintergrund verdeckten, sind seit dem 2. Weltkrieg verschollen. Die Figuren Inhetvins zeigen einen expressionistisch beeinflussten Gestus ohne dabei pathetisch zu wirken. Eine besondere Andacht kann abgesehen vom hl. Paar und den Anbetungsengelchen, keiner der Figuren unterstellt werden. Vielmehr wirken die Hirten und Könige wie in einer Warteschlange Stehende, die geduldig und etwas skeptisch auf etwas warten, das - durch Engel und Stern - groß angekündigt worden war. Die ansonsten aber eher von den Lasten des Alltags gezeichnet zu sein scheinen. Als Begleitung für die 3 Weisen gibt es einen "Führer mit Esel" und ein einzelner Hirte führt gar eine Hirschkuh (ein Reh?) mit sich. Grobgelockte Schafe gibt es drei Stück an der Zahl, zwei davon in einer Gruppe. Das Deutsche Kunsthaus, Düsseldorf hat als eine der ganz wenigen (gar einzige?) der Gipsfigurenfabriken, die "Emanel Krippe" nach Inhetvin im Sortiment geführt, die von Willi Winning sozusagen 1:1 in Modelle umgesetzt worden ist. Neben allen 20 Figuren gehörte auch der Stall, in zwei Teile zerlegbar und aus Gips gefertigt, zu dieser Krippe. Die Bodenplatte des Stalles wies diverse Vertiefungen auf, in welche die Figuren hineingstellt wurden, so dass sich alljährlich das haargenau gleich positionierte Ensemble aufbieten ließ.

 
"Institut für kirchliche Kunst", "Volkskunstanstalt", "Kunstwerkstätte", "Kunsthaus", "Atelier für Polychromie", "Kirchliche Kunstanstalt" oder unter ähnlichen, wohlklingenden Namen betrieben die Unternehmer ihre Gipsereien.  Durch die Wahl solcher Betriebsbezeichnungen wurde die Bezeichnung Fabrik, denn nichts anderes waren diese Werkstätten in Wahrheit, umgangen. Man suggerierte dem Kunden ein Stück zu erstehen, das im gehobenen Milieu durch das Wirken künstlerischen Schaffens entstanden war. Der Hinweis auf die serielle Fertigung hingegen hätte die Ware im Volksempfinden der damaligen Zeit als minderwertig ausgewiesen.

 

Johannes der Täufer ist als Gipsfigur vor allem als an einen Felsen gelehnter, schlafender Knabe erhalten, zu dessen Füßen ein Lamm ruht. Der Knabe trägt das auch für die Darstellungen des erwachsenen Täufers typische Fellkleid und führt einen zepterähnlichen Stab mit sich. Als Pendant zu dieser Figur gab es  den schlafenden Jesusknaben, ebenfalls an einen Felsen gelehnt aus dem ein Quell entspringt. In seinen Händen hält der Gottesknabe eine Dornenkrone (seltener ein Kreuz) und man sieht ihn in ein schlichtes Gewand mit den goldenen Intialien IHS auf der Brust gekleidet. Diese beiden Figuren waren in vielen Haushalten zu finden, wo sie auf Schlafzimmerkommoden oder Wohnzimmervertigos als Nippes platziert wurden.

 

Katholische Volkskunst- Anstalten (Marke: KVA) war eine 1917 gegründete Gipsfabrik. Im Markenenblem des Unternehmens findet man neben den Buchstaben der Marke auch die Lettern "M. K.", welche für "München" und "Kevelaer" stehen. Der Verweis auf diese beiden Städte zeigt, dass das Unternehmen an zwei Standorten präsent war. München wurde für die Dependance gewählt, da das katholisch geprägte Bayern als Tor zu weiteren "katholischen Märkten", allen voran Italien, angesehen wurde. Heute kaum mehr vorstellbar Unternehmensentscheidungen nach konfessionellen Belangen zu treffen, war es dem Firmengründer Carl Becker tatsächlich ein Bedürfnis  gegen jüdische und prostatantische Geschäftsleute zu konkurrieren, sie aus dem dem Feld zu schlagen. Die Betonung der Konfession im Firmennamen aber auch in Werbeslogans, vergewisserte die katholische Käuferschaft darüber, dass man sich mit den angebotenen Sortimenten gezielt ihren Bedürfnissen annahm. Vor 1917 hatte Carl Becker in Kevelaer eine erfolgreiche Devotionalienfabrik betrieben (Marke: C.B.K.). Für die Gründung der KVA holte er mindestens einen Geschäftspartner mit ins Boot, doch schon in den 1930er Jahren wurde die Fabrik von den Gebrüdern Wehling übernommen. Zu Beginn der 1960er erfolgte die geschäftliche Trennung der Brüder Wehling- Bernhard führte weiterhin die KVA, Gerhard gründete eine eigene Firma. Überbleibsel der KVA gingen Ende der 1980er Jahre in der "Pferdemenges Kunstoffverarbeitung" auf. Dieses Unternehmen ist bis heute in Kevelaer ansässig. Dr. Peter Lingens bescheinigt Carl Becker "eine der bedeutensten Persönlichkeiten in der Gipsfigurenbranche gewesen zu sein" und bedauert, dass er heute gänzlich vergessen ist.

 

Kerkhoff, Heinrich war ein rühriger Unternehmer in der Gipsfigurenbranche Kevelaers. Neben seinem 1920 gegründeten Betrieb, der bis in die 1960er Jahre hinein bestanden hat, war er Mitinhaber mindestens einer weiteren, partnerschaftlich  geführten Firma. Kerkhoff (hochdeutsch: Kirchhof) hat nach dem 2. Weltkrieg viele Modelle von untergegangenen Firmen übernommen, so z. B. von Daniels & van Ooyen (DvO). In diesen Zeiten trat die Firma Kerkhoff mit einem schier unerschöpflich wie unübersichtlich anmutenden Sortiment an. Darin waren neben den traditionellen "Hartguss Krippen" (also Gipsfiguren) später auch solche aus dem neu aufgekommenen Werkstoff Kunstharz ("Kerkolin") vertreten. Darüber hinaus bot man Maschéefiguren in allen erdenklichen Ausführungen und Qualitäten, reichhaltiges Zubehör und sogar eigene Modelle bekleideter Krippenfiguren in 30 cm Größe an. Leider lässt sich heute nicht mehr einwandfrei klären, ob die Gipsfigurenmarke H.K.K., Heinrich Kerkhoff oder der bis auf wenige Jahre zeitgleich existierenden Firma des H einrich K lumpen, ebenfalls K evelaer, zuzuschreiben ist. Orientiert man sich bei dem Versuch einer Zuordnung allein an den in den Katalogen vertriebenen, patenteigenen Modellen, so darf mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass H.K.K. tatsächlich für Heinrich Kerkhoff, Kevelaer steht. Sein Initialien- Vetter Heinrich Klumpen, hat mit Kerkhoff im Übrigen nicht nur den Vornamen sowie den Anfangsbuchstaben des Nachnamens gemein. Viel mehr lebten und wirkten beide in etwa zeitgleich und unterhielten sogar ähnliche Unternehmungen. Denn auch Klumpen betrieb ab den 1930er Jahren einen eigenen Betrieb und war zugleich Partner in weiteren Unternehmungen.


Kevelaer: Kleinstadt am Niederrhein mit rund 28.000 Einwohnern. Ab 1643 entwickelte sich Kevelaer zum Wallfahrtsort für marienverehrende Gläubige. In der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts war Kevelaer die Hochburg der Deutschen Gipsfigurenindustrie. Viele Betriebe und Werktätige im Kunsthandwerk waren in und um Kevelaer herum ansässig. Noch heute spielt das Kunsthandwerk dort eine bedeutende Rolle, wenn auch mit deutlich weniger Betrieben.


Leimlösche: Vor dem Auftragen der Polychromie wurden die Gipsrohlinge mit einer Lösche auf Knochenleimbasis behandelt. Die kleinen Figurenformate wurden hineingetaucht, große Werkstücke damit bestrichen. Dies diente der Versiegelung und Härtung der Oberfläche. Nachdem die Lösche getrocknet und ausgehärtet war, konnte die Grundierung und schließlich die finale Polychromie aufgetragen werden.

 

Mazotti, Pietro (1857 bis 1926) wanderte 1857 aus italien kommend, nach Deutschland ein. Endgültiger Wohnsitz wurde Münster, wo er 1873 eine Gipsgießerei gründete. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich, da Mazotti Bildhauer, also "Künstler" im klassischen Sinne war und diese distanzierten sich als Berufsgruppe eigentlich sehr vehement von der "seelenlosen Massenware aus Volkskunstanstalten". Das Gießen von Gipsabbildern bekannter Kunstobjekte wie antiker Skulpturen oder von Komponisten- und Herrscherbüsten, sowie Tierfiguren als Kinderspielzeug, war in Italien früh weit verbreitet. Den Produkten dieser Gipser widmete selbst Johann Wolfgang v. Goethe in den Berichten zu seiner Italienreise ab 1786 schon Aufmerksamkeit. Zunächst fertigte Mazotti diese klassischen Sortimente an und darüber hinaus gestaltete er im öffentlichen Auftrag Denkmäler und Ähnliches. Ab 1906 sollen dann Krippenfiguren hinzugekommen sein. Ein bekannter Satz mit der Marke P.M. geht auf Pietro Mazotti selbst zurück. Diese Figuren sind noch heute, mit Schwerpunkt Westfalen, in ganz Deutschland verbreitet. Der Werdegang der Familie Mazotti ist derart gut belegt, dass man ihn bis ins Kleinste im Internet recherchieren kann.

 

Mazotti, Albert, sen. (1882 bis 1951) ist einer der Söhne Pietro Mazottis, der als Bildhauer in des Vaters Fußstapfen trat und auch die Gipsfabrik weiter führte. Auf Albert Mazotti, sen. geht der Entwurf des Krippensatzes "Westfälische Krippe" zurück. Hierfür entwarf er hl. Familie, sowie Hirten und Mägde in westfälisch- bäuerlicher Bekleidung und setzte im Kontrast dazu exotisch gestaltete Weisen dagegen: Caspar wie gewohnt als Mohr aber in Pumphosen, Schnabelschuhen und mit einem Pagen als Schleppenträger, Balthasar als kniender Chinese mit typischer Kopfbedeckung und Zopf sowie Melchior, den Europäer in Ritterrüstung. Der Kamelführer entspricht dem damals verbreiteten Klischeebild eines Mannes aus dem vorderen Orient. Ochse, Esel und Kamel wurden nicht eigens neu entworfen- hier griff Albert auf die Modelle seines Vaters zurück. Die Schafe hingegen sind sein Eigenentwurf, wurden aber auch anderen Krippen nach Alberts Entwurf hinzusortiert. Albert Mazotti, sen. wurde von seinem Sohn Albert Mazotti, jun. (1921 bis 2008) in der Weiterführung des Bildhauerateliers beerbt.

 

Modell: Als solches bezeichneter Prototyp zur Abnahme der benötigten Form für die Herstellung von Gipsfiguren. Das Modell ist eine meist aus Holz, Ton oder gar Bronze handgefertigte Figur, sozusagen die Matritze für den Gipsguss. Die Modelle wurden zu Beginn der Gipsindustrie von (akademischen) Künstlern, meist Bildhauern, gefertigt. Die gewünschten Modelle wurden in Art (etwa Figurengröße) und Anzahl (bis zu 20 Stck für einen neuen Krippensatz) durch den späteren Patentinhaber beauftragt. Hatte der Bildhauer die Modelle gefertigt, kaufte der Auftraggeber diese und erhielt somit nicht nur die Modelle an sich, sondern auch die (Urheber)Rechte daran. Es war üblich diese Rechte zum Patent anzumelden, um der Produktpiraterie vorzubeugen. Nachdem sich, angestachelt durch die Amtskirchen und Ästhetikvereine, die Innung der bildenen Künste von der Serienfabrikation religiöser Statuen und Figuren öffentlich distanzierte, machte sich die längst boomende Gipsfigurenbranche von freien Künstlern als Zulieferern für die Modelle unabhängig, indem sie den Handwerksberuf des "Modelleur" etablierte.


Modelleur / Modellmacher: ein weiterer spezieller Ausbildungsberuf in der Gipsbranche. Die Modelleure traten an die Stelle der freien bildenden Künstler als Bezugsquelle für neue Modellreihen. Modelleure durchliefen eine 3jährige Ausbildung handwerklichen wie künstlerischen Inhaltes. Sie waren darin geschult Figuren nach den Regeln der Kunst zu entwerfen, ihre Entwürfe ins Plastische umzusetzen ("zu modellieren") und dabei technisch relevante Belange für die Praxis in der Fertigung zu berücksichtigen. Manche größeren Betriebe stellten Modelleure fest an, andere Modelleure belieferten wie einst die Bildhauer, unterschiedliche Auftraggeber mit ihren Arbeiten. Durch die unglaublich hohe Anzahl von Anbietern, welche ständig mit "eigenen neuen Modellen" warben, gelangte die  kreative Schaffenskraft der Modelleurszunft recht bald an ihre Grenzen. So wurden Modelle immer häufiger "nach Art" oder "Vorbild von..." z. B. Dürer, Schiestl, Inhetvin, Deger und anderen klassischen wie zeitgenössischen Küstlern geschaffen. Ebenso wendete man sich den aufkommenden modernen Stilrichtungen zu und setzte aktuelle Trends aus den Produktreihen etwa von Porzellanmanufakturen oder Spielzeugfabriken in den eigenen Arbeiten um. Letztlich begann man diese Typen- bzw. Themenkrippen in ihrer Gestaltung freier zu interpretieren, um wiederum weitere Varietäten zu schaffen. Das Schielen nach rechts und links war dabei ständige Praxis, so dass letztlich immer ähnlichere Sortimente entstanden. Nur wenige Modelleure entwickelten einen unverwechselbaren Stil und agierten dadurch etwas unabhängiger von externen Ideengebern. Etliche der heute am Markt angebotenen Kunstharzfiguren gehen noch auf (teils ur)alte Modelle zurück, welche in den Blütetagen der Gipsindustrie geschaffen worden waren.

 

Nazarener: Stilrichtung der bildenden Kunst, deren Aufkommen an den Anfang des 19. Jahrhunderts und somit in die Epoche  der Romantik, datiert. Seinen Anfang nahm der Nazarener Stil durch eine studentische Bewegung an der Wiener Kunstakademie und verbreitete sich rasch in alle bedeutenden Kunstzentren Europas. Auch in Deutschland  waren seine Vertreter angesiedelt,  mit Schwerpunkten an den Akademien von München, Frankfurt und Düsseldorf. Der Inhalt dieser Kunstrichtung beschränkte sich fast ausschließlich auf biblische Motive, historische Ereignisse oder Szenarien aus klassischen Dichtungen, etwa von Shakespeare.  Das künstlerische Schaffen folgte einem Grundgedanken, der hauptsächlich darauf abzielte die Religion in angemessener Form hochzuhalten und zu verbreiten. Der gesellschaftliche und politische Wandel ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begünstigte den Aufstieg des Impressionismus und sorgte dafür, dass die Anhänger der Nazarenerbewegung massiv zurückgedrängt wurden. Plötzlich galten Inhalt und Stil ihrer Werke als unzeitgemäß, ja naiv und künstlerisch anspruchslos. Die Gegner des Nazarener Stils entdeckten in den Darstellungen eben nicht überlieferte Wahrheit, sondern etwas Verklärendes, dem überzogene Süßlichkeit, auf bestem Wege zum Kitsch attestiert wurde und entsprechend leicht ins Lächerliche zu ziehen war. Obwohl damit die Hochphase des Nazarener Stils endete, flackerte er besonders im Bereich religiösen Kunstschaffens immer wieder auf. Der Gipsfigurenindustrie, die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts voll aufzukeimen begann, leistete der Nazarener Stil allerbeste Dienste. Besonders die unterschiedlichen Madonnenmotive (Unbefleckte Empfängnis, Herz Maria, Himmelskönigin usw.) doch ebenso die Modelle vieler anderer Heiliger tragen die eindeutigen Züge des Nazarenerstils, der damit endgültig als banal und trivialisiert galt. Der Begriff „Nazarener“ als Name für diese Bewegung setzte sich im Übrigen erst in der wissenschaftlichen Nachbetrachtung dieser durch.

Ochs´ & Esel: ein echtes Kuriosum ist, dass diese beiden Figuren in keinem Krippensatz aus Gips maßstabsgetreu ausgearbeitet sind, was jeder leicht überprüfen kann. Erstens sind Ochse und Esel keine gleich großen Tiere, der Ochse ist bedeutend größer, massiger und gewichtiger. Meistens jedoch sind die beiden Tiere gleich groß dargestellt, in einigen Fällen  der Esel gar größer als der Ochse. Ein kniender Mensch wird von einem stehenden Ochsen überragt und  müsste den Arm recken, wollte er aus dieser Position den Rücken des Rindviehs berühren. In Krippensätzen reicht der stehende Ochse einer knienden Figur gerade bis zur Schulter, ist also bedeutend zu klein geraten. Was der Sinn dieses Phänomens ist, bleibt schwer zu sagen. Es handele sich dabei um die Absicht Material zu sparen, lautet einer der Erklärungsversuche, die beiden Tiere hätten ja auch in der Überlieferung nur Symbolcharakter, weshalb die Andeutung ihrer Anwesenheit reiche, ein anderer. Geklärt ist damit aber nichts. Zum Thema Maßstabstreue gibt es ein weiteres Phänomen: Die hl. Familie ist in vielen großformatigen Sätzen (ab 60 cm) deutlich größer als alle anderen Figuren. Der Sinn davon war, das heilige Paar mit dem Knaben über die gewöhnlichen Menschen und anderen Kreaturen zu erheben.

Polychromie: bezeichnet die äußerlich sichtbare Bemalung der Gipsfigur. Die Bezeichnung des Handwerksberufes lautet Polychromeur. Die oft kunstvoll anmutende Bemalung der Gipsfiguren, beruht im Wesentlichen auf der Umsetzung eines immer gleichen Schemas.  Vertiefungen in dunklerem, dagegen Erhöhungen in hellerem Ton der gleichen Farbe gehalten, erhöhen den Eindruck des Plastischen. Lebendige Gesichter erzielte man aus dem Spiel unterschiedlich heller hautfarbener Töne, z.B. einer heller gehaltenen Stirn. Diffiziler war das Einsetzen der Augen, Augenbrauen und des Wangenrotes, weshalb es  Übung verlangt haben dürfte. Verwendet wurden Farben auf Ölbasis, die mit speziellen Lacken überstrichen und so haltbarer gemacht wurden. Den Pinsel lösten nach und nach Sprühpistolen ab, was bis heute die gängige Methode zum Farbauftrag darstellt. Viele Anbieter preisen ihre Polychromie als „feinst“, „hochfein“, „kunstgerecht“ oder „antik“. Leider erschließt sich nicht wirklich worauf diese Umschreibungen sich beziehen, zumal sie offensichtlich selbst von den Herstellern unterschiedlich ausgelegt wurden. „Antik“ bezeichnet häufig eine patinierte Bemalung in satten, dunklen Farbtönen. Van Meegen aber bezeichnet eine Bemalung in pastellfarbig anmutenden Tönen ohne Patina als „antike“ Ausführung. Mit „hochfeiner“ Polychromie scheint eine reichliche Verzierung mit Goldornamenten gemeint zu sein. Bei solchen Stücken waren nicht nur die üblichen Stellen an den Figuren mit Goldauftrag versehen, sondern auch die Gewänder mit Goldapplikationen ("Bordüren") aufwändig geschmückt. Die Vergoldungen wurden je nach betriebenem Aufwand, mit Goldlack, Schlagmetall oder Blattgold vorgenommen. Während der Goldlack einfach mit dem Pinsel aufgetragen werden konnte, waren für die Verwendung von Blattgold und Schlagmetall vor- und nachbereitende Schritte, sowie der Einsatz von Schellack zur Fixierung nötig.

Qualitätsversprechen: Aus heutiger Sicht sind Gipsfiguren, bezogen auf die vollmundige Anpreisung, reinste Mogelpackungen. Nicht nur dass Hinweise auf die massenhafte Fertigung bewusst umschrieben wurden, nein, man verschleierte auch noch die Art des Materials im Wissen, dass der Kunde am Ende eben doch eine Figur aus profanem Gips in Händen hielt. Hinzu kamen gängige verbale Aufwertungen der Polychromie, die aber nicht standardisiert scheinen. Die Bemalung wurde von Menschen vorgenommen und wie in allen Berufen hat es sicher auch hier bessere und weniger versierte Fachleute gegeben. Deshalb konnte die Polychromie letzten Endes immer nur so gut sein wie das Vermögen des Ausführenden es zuließ. Ob das dann immer und ausnahmslos „hochfein“ oder „kunstgerecht“ war? In noch nicht trockener Farbe hinterlassene, heute noch sichtbare Fingerabdrücke, einge“backene“ Pinselhaare, Nasen von zu reichlich aufgetragenem Lack, Partien mit falschem Farbauftrag, schiefe Augenbrauen, unsicher aufgetragene Goldlinien und Ähnliches lassen sich immer wieder entdecken und sprechen ein wenig dagegen.

 

Rabbels, Konrad (*12.09.1878 + 09.02.1948). Ist Betreiber der gleichnamigen Gipsfabrik (Marke: K.R.), die er 1919 gründete. Ihm wird nachgesagt ab 1896 im Deutschen Kunsthaus, Düsseldorf, zum Modelleur ausgebildet worden zu sein. Das kann so jedoch nicht stimmen, da das Deutsche Kunsthaus erst ab Ende 1927 unter diesem Namen betrieben wurde. Entweder absolvierte er seine Ausbildung in einem anderen Düsseldorfer Betrieb oder tat dies bei Gerhard Winning, der die Firma gegründet hatte, die später durch Verkauf an die Styler Missionare zum Deutschen Kunsthaus wurde. Nach dem Tode Konrad Rabbels´ ging seine Firma endgültig auf seinen Sohn Arthur über.

 

Rabbels, Arthur (*04.11.1913 + 03.01.2004) ist der Sohn Konrad Rabbels´. Arthur Rabbels wurde von seinem Vater zum Figuristen ausgebildet und arbeitete danach in Düsseldorf (Deutsches Kunsthaus) und Köln (Schmidt & Heckner), um seine Kenntnisse und Fertigkeiten zu vertiefen. Später stieg er in den elterlichen Betrieb ein, den er gänzlich 1948 übernahm. Der Firmenname blieb von dem Führungswechsel unberührt und lautete weiterhin "Konrad Rabbels". Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde Arthur Rabbels am beruflichen Aufstieg gehindert, da er ihm weder Zeit noch Gelegenheit ließ seine Meisterprüfung abzulegen. Da bereits Anfang der 1950er Jahre der Beruf des Figuristen  aus der Handwerksrolle  gestrichen wurde, konnte Arthur Rabbels den höheren Reifegrad seines Handwerks zeitlebens nicht mehr erlangen. Wie einige andere Gipsfabriken nach dem Kriege auch, fertigte Arthur Rabbels überwiegend für Verleger, die eigene Marken vertrieben, darunter für Schmidt & Heckner, Josef Thum (reiner Verleger ohne eigene Fertigung) und weitere. Aber es wurden auch weiterhin die alten Modelle Konrad Rabbels´ gefertigt. Noch  zu den Zeiten als beide Generationen gemeinsam im Betrieb tätig waren, wurde die Marke "A.R." etabliert und Figuren unter dieser gefertigt und vertrieben. Ganz im Zeichen der neuen Moden fertigte Rabbels jr. ab 1960 auch in Kunststoff,  mit Erreichen des Rentenalters stellte er die Betriebstätigkeit ein. Noch in seinem Todesjahr ging die Werkstatt an das Niederrheinische Museum für Völkerkunde und Kulturgeschichte, Kevelaer über. In letzter Zeit werden häufiger Stimmen laut, die behaupten, hinter der Marke A.R. müsse ein anderer Urheber stehen. Als Beleg dafür werden unbeweisbare Histörchen von der längst verstorbenen Tante, dem ebenfalls verblichenen Vater usw. herangeführt und sogar die profunden Recherchen des Dr. Peter Lingens als falsch angegriffen. Die Figuren der Marke A.R. stammen einwandfrei aus Deutscher Produktion und deren Verbreitung nach, handelte es sich um eine starke, sehr bekannte Marke. Da wirft sich doch die Frage auf: Warum sollte ausgerechnet der Betreiber einer so bekannten Marke wie A.R. sogar in der nahen Umgebung, also bei Nachbarn oder auch Mitbewerbern in Vergessenheit geraten sein? Das ist alleine deshalb sehr unwahrlich, weil die zahlreichen Betriebe der Gipsindustrie Kevelaers untereinander stark vernetzt waren- man kannte sich. Auf genau diese Frage aber haben die Zweifler keinerlei plausible Antwort, ja nicht einmal eine Idee davon wer an Stelle Arthur Rabbels der Inhaber dieser Marke gewesen sein könnte. Deshalb kann man diese Diskussion getrost nicht ernstnehmen und solange nichts Anderes als erwiesen gilt, bei dem bleiben was als gesichert bekannt ist.


Restaurierung: Aufgrund der geringen Widerstandskraft des Gipses gegen äußere Einflüsse, findet man die meisten Gipsfiguren heute in beschädigtem Zustand vor. Viele fühlen sich inzwischen zum Restaurator berufen und es kursieren eine Menge Tricks und Kniffe wie man bestimmte Beschädigungen am besten repariert. Aus meiner Sicht verbietet sich die Verwendung eines anderen Füllmaterials außer Gips. Auch die häufig praktizierte Übermalung der reparierten Stellen mit Wasserfarben ohne diese mit Klarlack zu fixieren, oder gar die komplette Übermalung einer Figur (weil man nicht im Stande ist den ursprünglichen Farbton zu mischen), hat nach meinem Verständnis nichts mit Restaurieren sondern nur mit Kaschieren zu tun. Um es deutlich zu sagen: so etwas ist dilettantisch und strikt abzulehnen, weil es nicht den Regeln der Kunst entspricht. Ebenso kritisch sehe ich die Arbeiten einer gewissen Couleur, die mit dem 1x1 der Acrylfarben vertraut, ebenfalls komplette Figuren einfach übermalt und sie so ihres antiken Charmes, diesem einzigartigen Ausdruck berauben. Solche Figuren sind faktisch wertlos. Es lohnt sich also das Warten, bis man einen Menschen findet, der auf die Wiederherstellung von Gipsfiguren spezialisiert ist.


Satz: Verkaufseinheit aus mehreren zusammengehörigen Einzelfiguren. Krippen wurden eigentlich immer im Satz vertrieben. Die gängigen Sortierungen waren: 15 Figuren (Maria, Josef, Jesuskind, Gloriaengel, Ochs´ & Esel, 3 Hirten, 6 Schafe) 18 Figuren (ergänzt um die 3 Weisen) oder komplett 20 Figuren (zuzüglich Kamel & Treiber). Natürlich wurden in den Geschäften Figuren auch einzeln verkauft. Über den Komplettsatz zu 20 Figuren hinaus, gab es separat zu erwerbende Ergänzungen: Verkündigungsgruppe (stehender Engel mit 3 Hirten), Hunde, Ziegen, Elefanten, Pferde, Treiber, Hirtinnen, Mägde, Pagen und Diener für den Königszug. Interessant ist, dass bei Butzon & Bercker -branchenunüblich-  ein Komplettsatz aus 21 Figuren bestand, weil hier der Hund gleich mitgeliefert wurde. Als Kuriosum mit  Beigeschmack sehe ich aus heutigem Blickwinkel die Tatsache an, dass in den Katalogen der Kameltreiber stets als "Führer" bezeichnet wurde. Siehe auch: Sortierung.

 

Schiestl, Matthäus war ein Maler und Grafiker, der als mittlerer der "Schiestl Brüder" 1869 in Zell am Ziller (Tirol) geboren wurde und 1939 in Würzburg (wohin die Familie 1873 gezogen war) verstorben ist. Ähnlich dem Altmeister Dürer schuf Schiestl etliche Bilder mit Szenen aus dem Leben Jesu, worunter gleich mehrere verschiedene zu Geburt, Anbetung der Hirten und Flucht nach Ägypten auszumachen sind. Streng werkgetreu bleibt die Schiestl Krippe von Arthur Rabbels (siehe Kaleidoskop), deren Hirten beinahe 1:1 nach den Vorbildern auf einem Tryptichon Schiestls gearbeitet wurden. Das Kind ist ebenfalls diesem Werk entlehnt. Das hl. Elternpaar hingegen ist aus gleich zwei anderen, sich recht ähnelnden Bildern Schiestls komponiert. Typisch für Schiestl Krippen sind die mittelalterliche Kleidung der Hirten, der Hirt mit Knabe, Maria ohne Schleier mit offenem Haar, das Kind in einer Art Bett (anstatt in einer primitven Bretterkrippe), König Balthasar, der seine Krone auf der Krempe eines - meist roten Hutes - trägt und letztlich die "verwitterten" Charakterköpfe mit einer zuweilen etwas säuertöpfischen Mimik im Gesicht. Erwähnenswert die Tatsache, dass der Engel aus der von Rabbels edtitierten Schiestl Krippe bishin zur exakten Haltung, ebenfalls werkgetreu ist, aber dennoch anstatt - wie in der Vorlage - einer Harfe, das Gloriabanner in Händen hält. Als weitere Besonderheit ist auf Schiestls Gemälde "Anbetung der Könige" keiner der Weisen als Mohr dargestellt. Das hochformatige Bild wird im Vordergrund beherrscht von der auf einem Felsen sitzenden, das Kind und die angenommene Gabe auf dem Schoß haltenden Modanna, vor der einer der Weisen auf die Knie gefallen ist. Dieser Weise betet in insbrünstiger Demut das Kind an und wird in scharlachrotem Umhang, ebensolchem krempenlosen Hut, weißem Haar aber ohne Bart dargestellt. Aus dem linken Bildrand tritt ein zweiter Weiser mit mächtiger Krone, weißem Umhang, dreiviertellangem, buntgemustertem Gewand und grünem Beinkleid in die Szene, der einen großen Goldpokal als Gabe bei sich hat. Hinter der rechten Schulter dieses Weisen erscheint lediglich noch der Kopf eines dritten Königs- dieser zeigt das charaktervolle rundliche Gesicht und den bereits erwähnten (roten) Ballonhut. Das ganze Geschehen ist vor der Kulisse eines mittelalterlichen Fachwerkhauses angesiedelt. Hinter diesem Haus schauen die Giebel zweier weiterer heraus, die die linke Bildhälfte bis zum Horizont ausfüllen. Wie etwa bei den Dürer Krippen auch, wurden Schiestl Krippen von einigen Anbietern auf den Markt gebracht, weshalb das Thema auch hier, im Sinne einer Unterscheidbarkeit, variiert wurde. So greift etwa die "Würzburger Krippe" vom Deutschen Kunsthaus, Düsseldorf (siehe Kaleidoskop) nur wenige typische Stilelemente einer Schiestl Krippe auf, weshalb dieser Satz viel typischer für Winning (den Modelleur) denn Schiestl ist. Matthäus Schiestls Brüder Heinrich ("Heinz") Schiestl, 1867 bis 1940, und Rudolf, 1878 bis 1931, waren gleichfalls bildende Künstler. Der ältere ist als regional bedeutender Holzbildhauer zu Bekanntheit gelangt, der jüngere Bruder ebenfalls als Maler.

 

Schmidt & Heckner (Marke: S.H.), war ein weiterer Branchenriese, der ähnlich dem Deutschen Kunsthaus in Düsseldorf in der Lage war, alle nötigen Schritte zur Herstellung und Vermarktung von Gipsfiguren mit den eigenen Mitarbeitern, in den eigenen Werkstätten auf die Beine zu stellen. Das Unternehmen saß in Köln Lindenthal  und war 1895 von Carl Schmidt gegründet worden. Der Ausstoß an Figuren ist als "enorm hoch" überliefert. Bereits im Laufe der 1930er Jahren exportierte die Firma Figuren nach Großbritannien, das gesamte Commonwelth, Irland, die USA, die Schweiz, die Niederlande und Mexiko. Weiterhin ist überliefert, dass die Missionen in weiteren südamerikanischen Ländern zu den Kunden Schmidt & Heckners gehörten. In diesen Zeiten belief sich die Belegschaft auf ca. 20 Mitarbeiter- eine Anzahl, die während der 1950er Jahre auf 30 Mitarbeiter anwuchs. Nach dem 2. Weltkrieg lebte die Produktion in den eigenen Werkstätten nur teilweise wieder auf. Von nun an wurden die Figuren auch von Kevelaerer Fabriken in Lohnarbeit gefertigt. Im Jahr 1957 orientierte man sich, im Zuge der notwendig gewordernen Modernisierung, weg vom Gips hin zum Kunstharz, wozu die Betriebsausstattung aufwändig umgerüstet wurde. Diese Investition verkraftete das Unternehmen wirtschaftlich nur mühsam. Der Unfalltod des Firmengründers im Sommer 1959 bedeutete formal juristisch das wirtschaftliche Aus der Firma. Das gerichtliche Vergleichsverfahren - damals geltendes juristisches Schutzverfahren zur Erhaltung unverschuldet in wirtschaftliche Schieflage geratener Unternehmungen / Abwendung einer Insolvenz - mündete in der Schließung der Firma zum 15.05.1961.

 

Schultheiß, Kaspar war Inhaber einer Gipsfigurengabrik, die er 1920 in Weißenhorn gründete. Einer seiner Söhne wurde als Modelleur für die Firma tätig und zeichnet sich für die stilistisch einmaligen Figuren des Typs verantwortlich, wie ich ihn im Kaleidoskop bei den Abbildungen der Schultheiß Krippe beschreibe. Bis etwa Mitte der 1930er Jahre lauteten die Marken "K.S.W." für die Figuren nach hauseigenen Modellentwürfen, "K.S." für Figuren nach den von fremd erworbenen Modellen. Danach stieg der Bruder Kaspars, Josef, mit in die Firma ein und die Marke K.S.W. (Kaspar Schultheiß, Weißenhorn) wurde auf G.S.W. (Gebrüder Schultheiß, Weißenhorn) umbenannt. Nach 40 Jahren stellte man 1960 die Produktion von Gipsfiguren ein, um bis zum Erlöschen des Betriebes im Jahr 1974, Figuren aus Berkalith (hier "Gesulit" genannt) herzustellen. Es ist im Übrigen nicht ungewöhnlich, dass in ein und demselben Schultheiß Krippensatz Figuren der beiden Marken K.S.W. und G.S.W. zu finden sind. Die "alten" Modelle von vor dem Einstieg Josefs behielten ihre alte Punze und die hernach geschaffenen Modelle erhielten die neue Markung- stilistisch passten Figuren aller Firmenepochen einwandfrei zusammen. Lediglich die verschiedenen Marken verraten Einzelheiten zur Firmenhistorie im Hintergrund. Als Besonderheit darf angesehen werden, dass im 20tlg Komplettsatz, entgegen der üblichen Sortierung, zumeist nur 5 Schafe enthalten waren und das sechste Schaf durch einen sitzenden Hund ersetzt war.

 

Sortierung: Innerhalb eines Satzes waren stehende und kniede menschliche Figuren vertreten. Als Standart kann angesehen werden, dass Maria kniend dargestellt war, ebenso je einer der Hirten und 3 Weisen. In der Regel beinhaltetet ein 20er Satz also mindestens 3 kniende Figuren. Der heilige Josef wird mal stehend, mal kniend dargestellt, wodurch seltener als die Regel, Sätze mit 4 knienden Personen zu beobachten waren. Noch seltener wurden auch Sätze mit 2 knienden Weisen angeboten, wodurch von 11 menschlichen Figuren nur noch 3 Stehende waren, weil das Kind ja liegt und der Gloriaengel schwebt. Äußerst selten dagegen die Sortierung mit stehendem Josef, 3 stehenden Hirten und 2 stehenden Weisen. In einem solchen Satz gibt es dann nur 2 kniende Personen: Maria und einer der Weisen. Ein anderes Extrem ist ein bestimmter Satz von Butzon & Bercker, in welchem nur 1 Hirte und der Kameltreiber als stehende Pesonen dargestellt sind. Der Kameltreiber ist übrigens die einzige Figur, die (als Einzelfigur) immer stehend dargestellt wird. Lediglich als Blockfigur (an das Kamel gegossen) kennt man sitzende oder angelehnte Teiber, anbetend kann er dagegen nur in einem einzigen Fall beobachtet werden. Was die Tiere angeht, kann gesagt werden, dass Ochs´ & Esel häufiger stehend als liegend angeboten wurden und dass beide in der Regel die gleiche Haltung einnahmen, es zu einem liegenden Ochsen also keinen stehenden Esel (oder umgekehrt) gab. Von den 6 zu einem Satz gehörenden Schafen, war eines immer ein Widder, zumeist stehend. Manchmal gab es einen zweiten Widder, in liegender Haltung. Mindestens 2 der 6 Schafe wurden liegend dargestellt, häufig waren es gar 3 Liegende. Von den stehenden Schafen war eines oft äsend dargestellt, aber rechts-, links- und geradeaus Schauende sind weitaus häufiger anzutreffen. Kamele sind bis auf sehr wenige Ausnahmen immer stehend dargestellt. Als Ausnahme gibt es ein liegendes Kamel als Block mit angelehntem Treiber aus einem Satz von Daniels & van Ooyen. Ebenso ein Anderes aus einem 40er Satz für Kirchen. Die Stückelung der Sätze und auch die Sortierungen innerhalb dieser, wichen manchmal durch die Fertigung von Blockfiguren ab. Das führte dazu, dass am Ende zwar wieder 20 Figuren dabei waren, aber eben nicht als 20 Einzelstücke. Maria mit dem Kinde, Ochs´ & Esel, Schafgruppen, Elefanten oder Kamele samt ihrer Treiber sowie äußerst selten Könige mit Pagen, wurden auch als Blockfiguren gefertigt. In der Regel beinhaltete der betroffene Satz aber nicht nur eine einzige Blockfigur, sondern zeigte gleich mehrere von diesen.

 

Terracotta: unter dieser Material- Bezeichnung wurden Tonfiguren gehandelt. Ähnlich wie bei den Gipsfiguren sollte "Terracotta" das Material und die Figuren daraus aufwerten. In Wahrheit handelte es sich bei "Terracotta" um minderwertigen rotbrennenden Ton, wie er heute im Werkunterricht verwendet wird. Bei Besitzern solcher Terracottafiguren, die leicht an der rötlichen Unterseite zu erkennen sind, fruchtet der Trick mit der gehobenen Bezeichnung noch heute sehr gut, da die meisten unter ihnen davon ausgehen, dass ihre Figuren, wie bei Kunstwerken aus Ton / Keramik üblich, von Hand modelliert und aufwändig bunt glasiert worden sind. Leider trifft nichts davon auf Terrcotta- Figuren zu. Sie wurden wie die Gipsfiguren mittels Formen hergestellt. Dafür wurde der rohe Ton in die Formen gedrückt. Viele Terracottafiguren sind innen hohl, da mit Werkzeugen vom Zentrum der Form her, der Ton in den Formen so verdichtet wurde, dass nach dem Brennen alle Details des Formenprofils sicher abgebildet waren. Da der Ton etwas stoßfester war als der Gips, wurden aus diesem Material häufiger auch Figuren auf zwei freistehenden Beinen produziert. Für solche Stücke wurden die Einzelteile in Formen gedrückt und vor dem Brand daraus die Figuren zusammengesetzt. Nach einer Trocknungsphase kamen die Rohlinge zum Brennen in den Ofen. Die (Öl)Farben wurden wie bei Gipsfiguren mittels Pinseln oder Sprühpistolen aufgetragen und mit Klarlack gefinisht, die aufwändige Technik des Glasierens mit ihren hochwertigen Ergebnissen, wurde hier zur Farbgebung dagegen nicht eingesetzt.      

 

Tischlerleim: Dieser wird häufig als Geheimtipp gehandelt wenn es darum geht abgeschlagene Nasen neu zu modellieren. In wie weit die Ergebnisse stimmig sind, muss jeder für sich selbst abwägen. Unbestritten dagegen ist, dass Tischlerleim (auch unter Weiß- oder Holzleim bekannt) das beste Mittel Wahl ist, wenn es darum geht an Gipsfiguren Klebearbeiten vorzunehmen. Haushaltskleber ziehen oft unschöne Fäden, die einmal auf der Figur erhärtet, nicht ohne diese zu beschädigen entfernt werden können. Auch hinterlassen diese Kleber häufig „Kragen“ an den Klebestellen und verhindert durch ihre dickflüssige Konsistenz, dass die Teile hundertprozentig passgenau zusammengefügt werden können. Alle diese Nachteile hat der Einsatz von Tischlerleim nicht- sofern man im Umgang damit etwas geübt ist. Aber erneut die Empfehlung: wie alle Reparatur- und Restaurierungsarbeiten gehört auch das Kleben von Gipsfiguren in fachmännische Hände.

 

Ungeklärte Marken sind solche, die man heute keinem Inhaber mehr zweifelsfrei zuschreiben kann. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen. Viele Gipsfabrikanten und Verleger haben verschiedene Marken genutzt. Dabei wurde öfter nicht nur das Layout der Marke verändert, sondern auch deren Laut. Zum Beispiel hat Schultheiss in Weißenhorn drei verschiedene Marken (zeitweise sogar parallel) genutzt. Wenn solche "Nebenmarken" in ihrer Buchstabenkombination keine oder kaum Rückschlüsse auf die diesem Inhaber zugeschriebene Hauptmtarke zulassen, tappt man schnell im Dunkeln. Ein weiterer Grund ist, dass es in der Gipsindustrie eben nicht nur die langlebigen Betriebe gegeben hat, sondern auch solche, die kamen und gingen. Dann waren die Marken nicht lange genug im Umlauf, um sich was ihre Bedeutung angeht in Dokumenten oder Erinnerungen einzugraben. Verschärft wurde dieser Umstand noch durch die partnerschaftlichen Neugründungen, die teilweise auch nur temporär bestanden haben. In diesem Fall sind Namen kombiniert, die nach Auflösung der Partnerschaft im Nachhinein nicht ohne weiteres wieder in Zusammenhang gebracht werden, da in den vorliegenden Aufzeichnungen eben keine Hinweise in diese Richtung zu erkennen sind. Erschwerend ist auch, dass die Gipsindustrie grundsätzlich schlecht dokumentiert ist. Das hat mit der relativ kurzen Lebensdauer dieser spezialisierten Branche und deren (im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen) gering eingeschätzten Geltung zu tun. Wesentlich war natürlich auch die Geringschätzung der Produkte, die als billig, vergänglich und "unedel" galten- zumindest in den Augen derer, deren Auftrag es gewesen wäre, sich auch mit der Gipsbranche wirtschaftswissen- schaftlich auseinanderzusetzen. Am Umsatzvolumen kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn bis zum Aufkommen der Faktoren, die in ihrer Gesamtwirkung den Untergang der Gipsindustrie herbeiführten, schien der Markt für Gipsfiguren trotz unglaublich hoher Produktivität der Erzeuger nie gesättigt gewesen zu sein. Letztlich sind unter den ungeklärten Marken auch ausländische, obwohl in einigen Ländern, darunter die Niederlande, eine ganze Reihe der inländischen Marken geklärt sind. Grundsätzlich muss man sich am Ende damit abfinden, dass es Marken gibt, die ihr Geheimnis nicht mehr preisgeben werden. Nun gibt es aber Zeitgenossen, die sich damit nicht abfinden möchten. Diese greifen dann zu Lingens Standardwerk und suchen im dortigen Personenregister so lange nach irgendeinem beliebigen Namen, bis sie einen solchen gefunden haben dessen Initialien zu der Marke passen. Diesen Namen schreien sie dann als Inhaber der betreffenden Marke in die Welt hinaus. Dass die dann zum Markeninhaber erklärte Person (fast) nie ein solcher gewesen ist / sein kann, zeigt, dass ein solches Vorgehen absolut sinnlos ist und niemanden weiterbringt- das geht gar nicht!


Ungläubige: als solche wurden die Ureinwohner in den Kolonien westeuropäischer Staaten wahrgenommen. Wenig bekannt dürfte sein, dass durch das Wirken der Missionare, Gipsfiguren aus deutscher Produktion auf beinahe dem ganzen Erdball verteilt wurden. Die figürlichen Darstellungen halfen dabei den missionierten Völkern den neuen Glauben, im wahrsten Sinne, begreifbar zu machen um schließlich ihre Naturreligionen aufzugeben. Alle bedeutenden Gipsfabrikanten unterhielten geschäftliche Beziehungen ins Ausland. Von Schmidt & Heckner wird berichtet, dass Figuren in hohen Stückzahlen nach Großbritannien und Südamerika geliefert wurden.
 

Van Meegen, Hubert war ein Niederländer, der 1899 nach Kevelaer kam, um als Polychromeur zu arbeiten. Jahrzehnte später gründete er zunächst einen eigenen Polychromiebetrieb, nach dem 2. Weltkrieg schließlich eine Gipsfabrik in der auch Figuren gefertigt und anschließend bemalt wurden. Hubert van Meegen hatte 4 Söhne.  Hubert jr. war in des Vaters Unternehmung als Buchhalter und im Vertrieb tätig. Sein Bruder Karl, zunächst als Figurist ausgebildet, später ein angesehener Bildhauer und Kunstmaler, steuerte zahlreiche Modelle zum Auf- und Ausbau eines eigenen Sortimentes der Firma bei. Hubert van Meegen fertigte unter eigener Marke ausschließlich Figuren denen Modellentwürfe seines Sohnes Karl zugrunde lagen. Die Marke lautet HvM und war charakteristisch gestaltet: In einem Kreis findet man die 3 Buchstaben als Ligatur ineinandergestellt. Sehr häufig war "Germany" neben der Marke im Sockel zu lesen. Die Figuren sind stilistisch stets einwandfrei auf den Urheber zurückzuführen. Die Gesichter, die zum Teil verzückte Haltung der Figuren, die proportional zur Figur recht massiven Sockel, die Kamele im Kreuzgang, die eckigen Köpfe der Ochsen und die in vielerlei Hinsicht als typisch erkennbaren Schafe, tragen eine eindeutige "Handschrift". Das Charakteristische setzte sich in der Bemalung fort: eine eigentlich nur bei van Meegen zu beobachtende, ausgefallene Polychromie in zurückhaltenden Pastell- bzw. Erdtönen und im Kontrast dazu ebenfalls ungewöhnlich kräftig bunte Ausführungen, die sich explizit an ein Nachkriegspublikum wendete, das dem Grau in Grau endgültig überdrüssig war und bei dem daher die Grenze zum Kitsch etwas verrutscht zu sein schien. Wohltuend hoben sich die Figuren in ihrer Ausgestaltung ab. Gerade das Hirtenthema wurde freier angegangen als gewöhnlich, so dass nicht die üblichen Flötenspieler, Obstkorbdarbringer und Lammträger, sondern völlig neue, "frische" Modelle entstanden. Häufig sind die gleichen Figuren in Abwandlungen zu beobachten, die so anmuten, als handele es sich um künstlerische Studien. So gibt es z. B. die gleiche Maria mit unterschiedlicher Haltung der Hände, einen Hirten mit Hut in der linken Hand, der mal die rechte Hand  seitlich abgestreckt, mal vor die Brust geschlagen hält oder den Hirten der mal kniet und dann wieder halb hockt.

 

Van Meegen, Josef: Sohn des Hubert van Meegen, sen., der ähnlich seinem Vater als Polychromeur ausgebildet war aber noch vor diesem eine Gipsgießerei gegründet hatte. Auch Josef van Meegen wurde von seinem Bruder Karl mit Modellen versorgt.


Vorbild: Die Modelleure vertrauten bei ihrer Arbeit nicht nur auf die eigene Phantasie, sondern ließen sich von den Arbeiten Kunstschaffender inspirieren. Ein bekanntes Beispiel dafür mag die sogenannte „Dürer Krippe“ sein, die nach den Vorlagen auf Albrecht Dürers Gemälden und Zeichnungen rund um das Thema der Geburt Christi gestaltete Figuren zeigt. Ähnlich verhält es sich mit häufiger anzutreffenden Krippen "nach Schiestl", "nach Inhetvin" oder "nach Bachlechner". Im Bereich der Heiligenfiguren ist die Figur „Himmelskönigin“ nach einem Gemälde Ernst Degers (15.04.1809 bis 27.01.1885) eines der Beispiele.  Deger zeigt die Madonna mit Krone, wie sie das Kind auf dem unter ihrem Mantel verborgenen linken Arm hält, die rechte Hand schützend am Bauch des Knaben, die Augen geschlossen. Das Kind selbst reckt mit ausgebreiteten Armen, seine Hände dem Betrachter entgegen und scheint dessen Blick einfangen zu wollen. Dieses Motiv findet man in den Katalogen häufig kurz als „Deger“ oder „nach Deger“ bezeichnet, obwohl es offiziell „Himmelskönigin“ hieß. Als der Nazarener Bewegung angehöriger Maler, war Ernst Deger ein bedeutender Vertreter dieser Kunstrichtung im Kreis der so genannten „Düsseldorfer Schule“.  Die Figur "Der Auferstandene" nach Thorvaldsen war ein recht verbreitetes Motiv unter den verschiedenen Jesus- Darstellungen. Die originale Figur wurde 1838 von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770 - 1840) aus Marmor gefertigt und steht bis heute in der Frauenkirche zu Kopenhagen. Wie das Original sind auch die Gipsreplikate davon nicht polychrom gefasst, sondern erscheinen den Marmor imitierend mit alabasterartiger Oberfläche..

 

Weihnachtskrippe: ist die Bezeichnung der Darstellung Christi Geburt mittels Figuren aus unterschiedichen Materialien, deren Ursprung in der bildenden Kunst, der Volkskunst, im Kunsthandwerk und in jüngerer Zeit der industriellen Produktion liegen können. Die Bezeichnung "Krippe" ist auch für andere Darstellungen aus dem Leben Jesu bebräuchlich geworden. So spricht man bei Darstellungen der Leidensgeschichte von "Oster"- bzw. "Fastenkrippen", während der Begriff "Weihnachtskrippe" Ereignisse wie "Verkündigung Mariä", "Herbergssuche", Flucht nach Ägypten", Darstellung im Tempel" bis hin zur "Hochzeit von Kanaa" (erstes Wunder Jesu) mit einschließt. Die erste Weihnachtskrippe hat der Überlieferung nach am heiligen Abend anno 1223 Franz von Assisi mit lebenden Personen und Tieren gestaltet. Im frühen Christentum fanden gegenständliche Darstellungen von Szenen aus dem Leben Jesu kaum Verbreitung. Die frühesten Darstellungen der Geburt sind in Form von in Stein gemeißelten Reliefs überliefert, welche das Kind in der Krippe umgeben von Ochs´ & Esel zeigen. Diese Reliefs wurden in Sakralbauten, oft als Zierde auf Taufbecken ausgemacht. Maria, Josef, die Hirten und Weisen, welche die Bibel, ganz im Gegensatz zu Ochs & Esel, ausdrücklich benennt, tauchen in den Werken sakraler Kunst erst deutlich später auf. Die figürliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte beschränkt sich in Form der Krippe zumeist auf Geburt und die Anbetung durch Hirten und Weisen. Die Art der Darstellung war in allen Ländern zunächst stark regional ausgeprägt. Man kleidete die Figuren "heimatlich", also mit dem, was man selbst an Kleidung aus seiner Umgebung kannte und siedelte die Szenerie in ebenso heimatlich geprägten Landschaften an. In vielen Regionen stellte man bekleidete Figuren her, da bei diesen lediglich Köpfe und Hände ausgeformt werden mussten- bei der hohen Zahl von Figuren eine große Erleichterung. In manchen Regionen wie den Alpen oder dem Erzgebirge, gab es früh auch schon vollplastisch geschnitzte Figuren und in Neapel, auf Sizilien und in der Provence fertigte man ebensolche Figuren aus Ton ("Terracotta"). Erst der ab dem Ende des 19. Jahrhunderts um sich greifende "Einheitsorientalismus" bescherte den Darstellungen eine weitere Stilart, nämlich die der orientalischen Krippe. Die regional geprägten Krippen hatten aus einer Unzahl von Figuren bestanden, da neben den biblisch überlieferten Personen auch sämtliche weltlichen und kirchlichen Honorationen aus Stadt oder Dorf und Umland in die Krippe einbezogen wurden. Dieses Einbeziehen ganzer Dorfgemeinschaften sowie das Nachbilden vieler Gebäude des Wohnortes wie Schule, Schmiede, Kirche, Kaufmannsladen, Wirtshaus usw. beruht auf einem Trick, welchem die Bevölkerung sich mit Aufkommen der Krippenverbote zu bedienen begann. Immer wieder waren in ganzen Landstrichen Krippen verboten worden. So stellten pfiffige Krippenbauer einfach ihr ganzes Dorf nach. Klopften die Häscher der Fürsten zu Kontrollzwecken an die Tür, ließ die Hausfrau schnell das Kind aus der Krippenlandschaft verschwinden während der Hausherr öffnete. Alles was die amtlichen Kontrolleure dann vorfanden war ein Nachbau der Heimat des Hausbesitzers, der natürlich nicht zu beanstanden war. Hatte der Amtsschimmel die gute Stube verlassen, kehrte das Jesulein augenblicklich an seinen angestammten Platz zurück. Mit dem Aufkommen der seriell gefertigten und überregional, ja international, vertriebenen Krippen aus Volkskunstanstalten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, entkoppelte man die Weihnachtskrippe von allen regionalen Bezügen. Möglich wurde das dadurch, dass die Figuren von nun an, dem aus der sakralen Malerei allseits bekannten Nazarener Stil oder eben dem des in Kunst und Design allgegenwärtigen Orientalismus, nach gestaltet wurden. Das Personal der Krippe reduzierte sich, im Zuge der wirtschaftlichen Produktion, auf das Wesentliche, so dass der 20teilige Krippensatz zum neuen Standard wurde. Dieser bot neben der Familie, den Hirten, Weisen und Tieren, einen Gloriaengel sowie ein Kamel mit Treiber als Begeleitung der hl. 3 Könige. Schon damals aber hielt der Handel weitere Figuren zur Ergänzung bereit: Beisatzhirten, Hirtenfrauen, Mägde, Verkündigungsgruppen, Elefant mit Treiber, Königspagen, Hirtenhunde und Ziegen. Doch selbst wer alle derartigen Erweiterungen nutzte, brachte keine Krippe mehr zustande, die in Anzahl und Vielfalt der Figuren an die regional geprägten Darstellungen heran reichen hätte können. Heute, wo ein Großteil der angebotenen Krippensätze in Fernost gefertigt wird, hat sich die Anzahl der Figuren des Standardsatzes noch einmal reduziert. Zumeist kommt man mit der Familie, Ochs & Esel, einem Hirten, den 3 Weisen, einem Schaf sowie dem Gloriaengel aus und nur die allerwenigsten dieser Angebote lassen sich aus den Programmen der Anbieter heraus erweitern. Wer heute eine figurenreiche Krippe zusammentragen möchte, dem bleibt nur die Anschaffung von geschnitzten Figuren. Da diese Sätze auf Traditionen basieren, bieten sie noch viele verschiedene Figuren mit dem regionalen Bezug zur Bergheimat aus der sie meistens stammen. Neben der Familie und zahlreichen Hirtenmodellen, findet man themenbezogene Figuren, meist aus dem handwerklichen Bereich, wie z. B. "Schmiede", "Holzfällerei", "Zimmerei" usw. Mit entsprechenden Modellen von Wasserträgern und -holerinnen lassen sich aufwendige Brunnenszenen gestalten. Das größte Potential zur Ausschmückung bietet jedoch der Königszug. So können die Weisen neben ihren Reit- und Lasttieren, Treibern und Pagen auch Haustiere mit sich führen. Dabei sind jedem der Weisen traditionell entsprechende Begleiter zugeordnet: Caspar, der Mohr reist mit Elefant(en), Elefantenkalb, Mahut, Page, Sarazene und Gepard. Melchior, der Europäer zieht mit Pferd(en), Fohlen, Pferdeführer, Page und Windhunden ein. Balthasar der Asiat hat sich mit Kamel(en), Kamelfohlen, Treiber(n), Page und Pfau aufgemacht. Diese drei Unterabteilungen des großen Königszuges, lassen sich in der Szenerie einer Karwanserei, welche mit entsprechenden weiteren Figuren bevölkert ist, wunderbar zu einem figurenreichen Aufgebot in der Krippenlandschaft verbinden. Zur Abrundung des Gesamtbildes bieten sich Kleintiere wie Hausgeflügel, Katzen, Tauben, Raben, Nutzvieh oder Waldtiere an.


Weltkrieg: der zweite Weltkrieg und die entbehrungsreiche Zeit danach, markieren für die Gipsfigurenfabrikation Deutschlands einen entscheidenden Wendepunkt. Viele der ungezählten Betriebsstätten nahmen nach dem Kriege ihre Arbeit nicht wieder auf. Für andere veränderte sich die Geschäftstätigkeit grundlegend. Bei Schmidt & Heckner in Köln- Lindenthal etwa lagerte man Teile der Produktion aus. Die Fertigung dieser Figuren wurde an Kevelaerer Betriebe beauftragt und lediglich der Vertrieb noch in Eigenregie abgewickelt. Dennoch kam es auch in dieser Zeit noch zu vereinzelten Betriebsübernahmen durch den Sohn, wie bei Rabbels, oder zur Gründung neuer Firmen, so bei Klumpen. Der hart erarbeitete, steigende Wohlstand aber ließ sich die Bevölkerung  zunächst von einer Madonna aus minderwertigem Gipsmaterial und die herrschende Mode bald grundsätzlich von einer Madonnenfigur im Hause abwenden. Der Gipsfigurenbranche brachen so die Absatzmärkte weg, weshalb die meisten Betriebe die 1970er Jahre nicht mehr erleben durften. Butzon & Becker, Fritz Cox oder van Meegen aber sind Firmen, die heute noch mit den den früheren Sortimenten recht ähnlichen Angeboten  bestehen, nur vom Gips hat man sich dort endgültig verabschiedet. 

 

Winning, Gerhard ist der Gründer der Gipsfabrik, die uns heute als "Deutsches Kunsthaus, Düsseldorf" bekannt ist. Um 1881 als "Kirchliche Kunstanstalt Gerh. Winnig" (Marke: "GW") gegründet, wurde der Familienbetrieb am 23.12.1927 an die Styler Missionare veräußert und entsprechend umbenannt. Die neuen Eigentümer führten den Betrieb für rund 10 Jahre und verkauften die Firma dann ihrerseits weiter.

 

Winning, Willy ist der Sohn Gerhard Winnings. Er war als Bildhauer tätig und wirkte in dieser Eigenschaft auch in der Modellentwicklung des Deutschen Kunsthauses mit. Dort schätzte man seine Tätigkeit ob seiner sehr guten Fähigkeiten und seiner akademisch- künstlerischen Ausbildung. Später gründete er eine eigene Gipsfigurenfabrik und vertrieb seine Figuren unter der markant gestalteten Marke "WW" (die beiden Buchstaben übereinandergestellt von einem Kreis eingeschlossen). In der eigenen Familie war Willi Winning, den Werten der damaligen Zeit geschuldet, ein Ausgestoßener. Er galt als Vertreter der "brotlosen Kunst", als Hallodri und Herumtreiber. Teile seiner noch lebenden Verwandtschaft gehen heute versöhnlicher mit dem Andenken ihres "schwarzen Schafes" um, in dem sie sein beachtliches Schaffen, welches auf einzigartigem Talent beruht, zu würdigen wissen. Der Rest der Familie hingegen schweigt ihn heute noch lieber tot, wie ich entsprechenden Korrespondenzen entnehmen konnte.

 

Xbeliebig: derartig und damit als wertlos, werden Gipsfiguren häufig angesehen und landen noch heute regelmäßig auf dem Müll. Nun darf man sich nichts vormachen: Alle Gipsfabrikanten hatten die gängigen Motive wie Herz Jesu, Herz Maria usw. im Sortiment. Viele dieser Figuren sind bis heute in mehr oder minder brauchbarem Zustand erhalten, quasi „an jeder Ecke“ zu haben und deshalb mit wenigen Ausnahmen praktisch wertlos. Anders verhält es sich mit selteneren Motiven wie „Auferstehung Christi“, „Der gute Hirt“, „Deger- Madonna“, „Pieta“, „hl. Antonius“ und anderen. Diese Figuren sind vergleichsweise selten erhalten und damit etwas besser dotiert. Ganz anders verhält es sich mit Krippenfiguren aus Gips. Für diese gibt es einen regelrechten Sammlermarkt, wodurch die Preise auf höherem Niveau angesiedelt sind. Häufig trifft man aber auch auf weit überspannte Wertvorstellungen, weshalb es nichts schadet Rat einzuholen, bevor man schlicht über Wert bezahlt. Zudem sollte man alles daransetzen die im Zusammenhang mit der Figur gemachten Angaben zu überprüfen, vor allem was das vorgegebene Alter angeht. Man muss immer im Auge haben, dass die Figuren eines Tages  wieder veräußert werden könnten. Was wenn sich die Angaben dann als unhaltbar herausstellen und der Wert sich damit empfindlich nach unten reguliert? Als Besitzer eines solchen (Erb)stückes sollte man ebenso auf der Hut sein. Es gibt   viele Sammler, die sich die Unwissenheit der Leute zunutze machen, um möglichst billig an die Figuren heranzukommen. Die Masche ist meistens die, mit fadenscheinigen Argumenten, die dem Unkundigen allemal einleuchten, die Wertigkeit soweit herunterzuspielen, dass man direkt froh sein muss, wenn dieser Interessent 50,00 € oder 70,00 € dafür gibt. Darum: nie überstürzt handeln, gut abwägen und sich Rat einholen.    

Yoshua: ist die hebräische Form des lateinischen Namen Jesus. Jesus, im Glauben als Sohn Gottes Sohn und Heiland verehrt, ist neben Gott, die zentrale Gestalt der christlichen Glaubensrichtungen. So sollte man meinen, dass er auch für die Gipsfigurenbranche die zentrale Rolle gespielt hat. Und tatsächlich: die Motive „Herz Jesu“, „Der gute Hirt“, „Auferstehung“, „Pieta“, „Kreuzabnahme“ sowie etliche andere sind dem Messias gewidmet und zeugen von einer verbreiteten Verehrung. Aber war Jesus, die unterschiedlichen Motive zusammengenommen, auch die beliebteste, also absatzstärkste Gipsfigur? Nein, denn was die Beliebtheit angeht, muss er sich seinem Ziehvater geschlagen geben. Tatsächlich waren Figuren dieses hl. Josefs beliebter als die aller anderen Heiligen. Besonders nachdem die Katholische Kirche den hl. Josef zu ihrem Schutzpatron ausgerufen hatte, nahmen die Bedeutung dieser biblischen Gestalt und damit der Absatz ihres gipsernen Abbildes rasant zu.

Zweites Vatikanisches Konzil: von Papst Johannes XXIII einberufene und nach dessen Tod von Papst Paul IV weitergeführte Zusammenkunft der weltweit wichtigsten Kirchen- und Glaubensvertreter. Das Ziel waren Austausch und Beschlussfassung zu vielen Themen rund um Ausrichtung und Erneuerung der Amtskirche. Das Konzil dauerte, um ein paar Wochen, mehr als 3 Jahre- von 1962 bis 1965. Zu den Beschlüssen dieses Konzils gehörte auch die bei den Katholiken verbreitete, einem Aberglauben ähnelnde, Heiligenverehrung einzudämmen. Dazu wurde beschlossen die Kircheninnenräume zu entstauben und zu versachlichen, um die Gläubigen zum Wesentlichen im Glauben zurückzuholen. Der Umsetzung dieses Zieles fielen in der Praxis ungezählte Gipsfiguren aus Kirchen, öffentlichen Einrichtungen und Privathaushalten zum Opfer. Da sich die Verehrung auf Gott, Jesus und die Gottesmutter konzentrieren sollte, wurden die Bildnisse weiterer Heiliger überflüssig. So wurden vielerorts die lebensgroßen Heiligenfiguren aus den Kirchen verbannt und vernichtet. Dass unter diesen Umständen mit lukrativen Aufträgen für die Inneneinrichtung von Gotteshäusern kaum noch zu rechnen war, bedeutete für viele Gipsfabrikanten die Nachfolge nicht mehr regeln zu können, da sich schlichtweg keine Interessenten finden ließen. Viele Nachfahren der Gipsfabrikanten sehen deshalb im 2. Vatikanischen Konzil nicht den alleinigen aber doch einen entscheidenden Grund für den Untergang der Branche.

 

Quellen: Steyler Missionare; Stiftung Rheinisch- Westfälisches Wirtschaftsarchiv; "Gipsgießer und Polychromeure in Kevelaer" by Peter Lingens; dipl. ing. Günter Pferdmenges; Gisela Boost; Stadtarchiv Münster; Wikipedia; Niederrheinisches Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte e. V. Kevelaer

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