Noch eine Dürer Krippe? Wenn sie heute auch völlig vergessen und aus den Sortimenten der Anbieter verschwunden sind, so waren Dürer Krippen früher sehr beliebt bei den Abnehmern und sorgten folglich für volle Auftragsbücher bei den Grossisten.

 

Hier nun eine der bekanntesten Dürer Interpretationen aus der Fabrik des Konrad bzw. Arthur Rabbels. Bleibt der Entwurf bei der hl. Familie, Ochs´ & Esel, den 3 Weisen sowie dem Treiber nahe an Dürers Vorlagen, so wartet dieser Satz was die Hirten angeht, mit drei eigenwilligen Modellen auf, die bis auf den knienden Hirten, so gar keine Entsprechung in anderen Dürer Krippen, geschweige denn in Dürers Werk, finden. Der kniende Hirt ist als langhaariger Jüngling dargestellt, den man in ähnlicher Pose - aber als reifen Mann - auch in vergleichbaren Krippensätzen finden kann. Der stehende Hirte erinnert in Habitus und Gewandung eher an einen Apostel, Priester oder jungen Gelehrten, denn an einen einfachen Schafhirten. Die Stelle des dritten Hirten wird mit einer Hirtin besetzt, die ein Lamm mit sich führt.

 

Neben diesen Hirten ist für Rabbels als typisch anzusehen, dass die Hufeisen des Schimmels ausmodelliert und sogar farblich (in Silber) abgesetzt sind. Weiterhin ist der brüllende Esel charakteristisch, den es so nur in diesem Satz zu sehen gibt. Exemplarisch auch die Polychromie "antik", mit viel Patina, welche jedoch keine Spezialität von Rabbels, sondern bis in die 1940er Jahre hinein allgemeiner Standard war.

 

An den Modellen ist auffallend, dass es häufiger freistehende Arme / Hände (so bei Josef, dem knienden und stehenden Hirten sowie der Hirtin) und freistehende Beine bei Ochse, Esel und dem Pferd gibt. Von einigen Modellen gibt es abweichende Varianten: der kniende Hirte ist mit und ohne vor der Brust gehaltenen Hut zu finden (siehe Fotos hier), der "Apostel Hirte" wird auch mit gefalteten Händen aber angewinkelten Armen dargestellt und  den Ochsen gibt es ebenfalls in einer brüllenden Ausführung, die Hirtin, hier mit freier rechter Hand, in welche ein Stab gelegt werden kann, ist auch mit einem gegossenen Korb, in welchem sich Obst befindet, in dieser Hand geläufig und auch die hier freie Hand des Josef, kennt man in einer Abwandlung auf dem Oberschenkel abgelegt. Auf dem letzten Foto ist zum Vergleich eine Figurengruppe dieses Satzes zu sehen, deren Figuren einige dieser abweichenden Merkmale aufweisen. Zudem ist auf diesem Foto (Quelle: Internet) auch der original zugehörige Engel abgebildet.

 

Die hier vorgestellten Figuren gehören - mit Ausnahme der Stücke auf dem letzten Foto - einer guten Krippenfreundin. Die Stücke sind unrestauriert und belegen, dass Krippen- figuren aus Gips in ganz unterschiedlicher Erhaltung über die Jahre kommen konnten.

 

 

 

 

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