Bei diesem wunderschönen Satz Krippenfiguren handelt es sich um die Nazarener Krippe von Konrad Rabbels. Der Satz besteht aus der Heiligen Familie, Ochs´ & Esel, einem Sackpfeifenspieler, einem Hirten mit Lamm, dem alten knienden Hirten mit Früchtekorb, den 3 Weisen, einem Treiber samt stattlichem Kamel, zwei schauenden Schafen, einem links schauenden liegendem Schaf, einem geradeaus schauenden liegendem Schaf und je einem stehenden und liegenden Widder. Die Figuren sind gemarkt mit K.R. bzw. E.K.R., wobei das „E“ für Eigentum steht. Diese Figuren erzählen eine Menge über übliche Produktions- methoden. Da die mittleren Kollektionsgrößen aufgrund ihrer Masse besonders empfindlich für Zerbrechen waren, behalf man sich mit einem Trick. Nur der Sockel der Figuren bestand aus Gips im Vollguss. Die Konturen der restlichen Figur wurden über einem Hohlkern  aus gipshaltiger Masse gegossen und der so entstandene Rohling später auf den Sockel montiert. Der Hohlraum im Inneren wurde mit Baumwolle ausgestopft. Für auf diese Art produzierte Figuren bzw. diesen Materialmix ist kein deutsches Wort überliefert- wohl aber der englische Begriff "woodpulp"- das bedeutet soviel wie Zellstoff und im Prinzip ist Baumwolle ja nichts Anderes. Solche Figuren sind für ihre Größe erstaunlich leicht, weshalb sie vom Material her weniger spröde waren und in der Folge nicht so leicht zerbrachen. Die Schafe sowie Ochs´ & Esel und auch das Jesuskind sind im üblichen Gipsvollguss hergestellt. Für das Kamel gilt selbiges wie für die menschlichen Figuren. Auch die Schafe sind sehr einfallsreich produziert: auf den immer gleichen Körper wurden die einzeln gegossenen verschiedenen Köpfe aufgebracht, so dass links- und rechts schauende, gehörnte und ungehörnte Schafe das Ergebnis waren- nur fressende Schafe waren auf so rationale Art nicht zu erzeugen.

 

Die Figuren stammen vom Anfang der 1920er Jahre. Es handelt sich hier um den seltenen Fall, dass die überlieferte Historie des Satzes zum Werdegang der herstellenden Gipsfabrik passt. Die Figuren sind in einem bermerkenswert guten Zustand. Es gibt nur wenige kleine Macken und das übliche Kraklée an Stellen wo Masse unter der Farbschicht steckt. Inzwischen sind die Stücke restauriert und freuen sich auf ihren ersten Einsatz im Panoramafenster während des Advents.

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