Die Modelle für diese besonders ausdrucksvollen Figuren sind recht alt und wurden zeitweise auch von anderen Gipsfabriken, etwa Schmidt & Heckner, verwendet. Die Figuren weisen Stilelemente  unterschiedlicher Krippentypen auf: Der Hirt mit Hut und Stab ist von Dürer Krippen, der Hirt mit dem Buben von solchen nach Schiestl beeinflusst. Letztlich sind die Stücke klar von der naiven Welle beeinflusst, die mit dem Aufkommen der gesetzlich geschützten "Hummelfiguren" Mitte der 1930er Jahre in der Gipsindustrie ausgelöst wurde. Letzteres Phänomen zeigt sich an der hl. Maria, dem Jesuskind, dem hl. Josef, dem Hirtenbub an des alten Hirten Hand, dem musizierenden Hirtenknaben und natürlich dem Gloriaengel. Der Hersteller dieser Krippenfiguren ist die Gipsfabrik Rabbels, Kevelaer.  Da mir von diesem Hersteller kein Katalog vorliegt, konnte ich nicht herausfinden unter welchem Namen dieser Satz vertrieben wurde. Die Figuren sind von beachtlicher Qualität was die Ausarbeitung der einzelnen Stücke angeht. Ochs´ & Esel, der Hirte mit Hut und Stab sowie der Hirte mit Kind stehen "freibeinig", also ohne dass Vegetation oder Gewandteile, die wallend zur Erde gleiten die Räume zwischen den Gliedmaßen ausfüllen müssten- was der Festigkeit geschuldet anders vernünftiger gewesen wäre. Hervorzuheben sind ansonsten die hochgereckten Hände des knienden Hirten (ebenfalls filigran bzw. heikel auf die Widerstandsfähigkeit betrachtet) und die vollplastische Ausformung des pausbäckigen Gloriaengels, der damit eine absolute Rarität unter Seinesgleichen darstellt.

 

Die Markung auf den Figuren weist neben den Initialen des Gipsfabrikinhabers die fortlaufenden Nummern 1924, 1925... 1927... usw. auf. Daran lässt sich anschaulich verdeutlichen, dass 4stellige Zahlen auf Gipsfiguren lediglich Modellnummern und niemals Jahreszahlen sind- auch dann nicht wenn sie mit 18.. / 19.. anfangen! Bei Heiligenfiguren wurde das jeweilige Stück unter einer singulären  Nummer  geführt. Bei Krippensätzen gab es je nach Anbieter unterschiedliche Zählsysteme. So konnte es sein, dass gerade in kleineren Kollektionsgrößen (bis 20 cm) ganze 20tlge Sätze unter einer Nummer gelistet waren, eben so häufig aber gab es in großen Kollektionsgrößen für jedes Einzelmodell eine eigenständige Nummer, so dass für einen 20tlgen Satz alle Figuren fortlaufend durchnummeriert waren. Alle Eigenarten bei der Vergabe von Modellnummern lassen sich herrlich anhand alter Kataloge nachvollziehen und so auch belegen, dass es Jahreszahlen auf seriell hergestellten Gipsfiguren ab Werk nicht gegeben hat.

Guido H. Espers Krippenkabinett | Weihnachtskrippen | Krippenfiguren | Gipsfiguren