Wie alle Figuren nach den Modellen und Motiven des Bildhauers Jacob Holtmann (siehe Lexikon), sind auch diese hier zu sehenden Gipsfiguren von den Katholischen Volkskunstanstalten, München - Kevelaer gefertigt worden. Die KVA, wie der Betrieb kurz genannt wurde, hatte die Exklusivrechte an den Holtmann Modellen und war so die einzige Figurenfabrik mit der Lizenz zum Gießen von Holtmann Figuren. Den bewegten Werdegang der KVA habe ich ebenfalls im Lexikon skizziert.

 

Die Figuren sind allesamt sehr alt (1920er Jahre) und unverkennbar "antik" polychro- miert worden. Ungewöhnlich ist der Reichtum an Hirtenmodellen, wovon es ganze 6 verschiedene gibt. Der kniende Hirt mit Lamm kommt dabei in zwei abgewandelten Varianten vor: einmal mit unbedecktem Haupt, den Blick nach oben gerichtet (und damit evtl. Teil einer Verkündigungsgruppe) sowie mit durch eine Kapuze bedecktem Haupt, den Blick auf das Kind gerichtet (und damit einer der 3 Hirten aus dem Standardsatz mit 20 Teilen). Dieses zweite Modell hat zusätzlich in der linken Hand eine Bohrung, so dass die Figur mit einem Stab ausgestattet werden kann. Das zuvor beschriebene Modell hält hingegen in der linken Hand einen gegossenen Stab. Bei einem laufenden Hirtenjungen mit Stab und Horn bleibt Raum für Spekulationen: man mag ihn als Teil des Hirtenvolkes oder aber als solchen des Königszuges in der Rolle eines Treibers ansehen. Diese Holtmann Modelle werden heute noch aus Kunstharz gefertigt und über diverse Kevelaerer Händler als "Matthias Krippe" vertrieben. In dieser Neuauflage wird die Figur als Hirtenjunge gelistet, was aufgrund der ganzen Ausgestaltung auch nahe zu liegen scheint. Die Ausformung des Modells ist im Groben jedoch, der des Kameltreibers schon recht ähnlich...

 

Ebenfalls bemerkenswert ist, wie das Thema "Ochs´ & Esel" auf verschiedene Arten und Weisen angegangen wurde: der nicht zuletzt aus der "Kölner Krippe" von Schmidt & Heckner bekannte Block aus den beiden Stalltieren ist nämlich ursprünglich ein Holtmann- Entwurf. Darüber hinaus findet man hier die beiden Tiere als Einzelfiguren in ähnlichen Posen wie in der Blockdarstellung. Der Ochse ist in dieser Abwandlung zusätzlich ungewöhnlich coloriert, nämlich braun gescheckt anstatt einheitlich braun. Letztlich gibt es noch Einzelfiguren von Ochs´ & Esel in ganz anderer Ausformung, fast freistehend mit Strohgarben zwischen den Beinen, welche Holtmann darüber hinaus auch dem hl. Josef und seinen Schafen einer anderen Modellreihe "zu Füßen gelegt" hat. 

 

Die 3 Weisen werden von einem Pagen begleitet, der auf einem Kissen ein Schätzkästchen trägt. Wie immer bei Krippen, in welchen Pagen gezeigt werden, ist auch hier davon auszugehen, dass es zwei weitere dieser Dienerchen gab, so dass jeder König entsprechend begleitet war. Die imposantesten Figuren sind unbestritten die drei Königstiere: Pferd, Kamel und Elefant. Das Pferd als Block mit Treiber gestaltet, liefere ich zu gegebener Zeit im Bild nach. Das Orient Kamel ist prunkvoll gesattelt und mit wenigen Gepäckstücken und einem Schild beladen. Der prächtig geschmückte, "dicke" Elefant trägt eine Zeltgondel, die von einer vergoldeten Schnitzerei in Form einer Krone buchstäblich gekrönt ist.

 

Die gezeigten Schafe sind von der KVA den Figuren zusortiert worden, müssen aber nicht zwangsläufig Holtmann Modelle sein. Holtmann Schafe sind durch Merkmale gekennzeichnet, die ich in der Beschreibung für die 100 cm große Holtmann Krippe dargelegt habe. Darüber hinaus sind die Schafe dort natürlich auch zu sehen.

 

Dieser hier vorgestellte Satz war vom 30. November 2019 bis 02. Februar 2020 im Rahmen einer Sonderausstellung zu Leben und Werk Jakob Holtmanns im Domschatz und Diözesanmuseum Osnabrück ausgestellt. Quasi ebenfalls als Leihgabe für die Fotos, fand der Satz auch seinen Weg ins Krippenkabinett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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