Diese Variante einer Dürer Krippe hat Karl van Meegen im Auftrag des Verlages Gebrüder Dyx in Kevelaer entworfen. Gefertigt wurden die Figuren in den Werkstätten von Karl van Meegens Vater Hubert.
 
Dieser Figurensatz kam in der Nachkriegszeit erstmalig auf den Markt. Er ist ein weiteres Beispiel dafür, welche Schlüsselrolle die van Meegens innehatten, wenn es nach dem 2. Weltkrieg für einen der wenigen verbliebenen Anbieter darum ging, neue Modelle auf den Markt zu bringen. Krippensätze, die nach althergebrachten Modellen gegossen wurden, entstanden wo möglich, wie zuvor in eigener Werkstatt oder wurden an Rabbels oder eine der wenigen anderen verbliebenen Lohngießereien beauftragt. Aufträge in Lohngießerei nach alten Modellen wurden auch von Hubert van Meegen ausgeführt, jedoch bestand der hauptsächliche Anteil an externen Aufträgen darin, die durch Karl van Meegen neu geschaffenen Modelle für andere Anbieter zu produzieren. Diese unter fremder Marke vertriebene Ware, zeigt häufig das "van Meegen antik" als Polychromie in erdigen Pastelltönen und trägt einwandfrei die Handschrift Karl van Meegens.
 
Für diese Dürer Krippe wurden das hl. Paar, 3 Hirten und 3 Weise neu entworfen. Für Ochse, Esel, die Schafe und den Kameltreiber wurden althergebrachte GDK- Modelle reaktiviert. Das Kind sowie der Gloriaengel sind waschechte van Meegen Modelle, die quasi ausgeliehen und für diesen Zweck nur mit anderer Marke versehen wurden. In gleichem Maße wie die Gipsfigurenanbieter von je her auf die Wahrung der Exklusivität, der von ihnen genutzten Modelle Wert legten, gab es auch immer schon einen regen Handel mit Patenten und Rechten bzw. legale Absprachen zum Nutzungsrecht an eben diesen Modellen.
 
Für den Entwurf des Weisen Balthasar nahm van Meegen ein uraltes GDK- Modell (siehe "GDK 20cm früh" im Kaleidoskop) aus einer Schiestl Krippe zum Vorbild und wandelte es "nach Dürer Art" (mit Federhut) ab. Das Kamel ist ebenfalls ein altes GDK- Modell, dem hier aber - warum auch immer - der Kopf eines van Meegen Kameles aufgesetzt worden ist. Typisch für GDK Krippen waren die vielen weitgehend freistehenden Figuren, deren einzeln ausmodellierten Beine durch Baumstümpfe in allen erdenklichen Ausführungen "verstärkt" worden sind oder die durch frei herabfallende Umhänge / Satteldecken sozusagen ein "weiteres Standbein" erhalten hatten. Diese Eigenarten hat Karl van Meegen in diesem Entwurf für die Gebrüder Dyx aufgegriffen, indem er 2 Hirten und 2 Weisen mit freistehenden Beinen ausgearbeitet hat. Die Modelle von Ochse und Esel hingegen wurden vor dem 2. Weltkrieg auch mit 4 freistehenden Beinen gearbeitet, was hier aber nicht Fall ist. Der 6tlge Satz Schafe ist ab Ende der 1940er Jahre auch z. B. für Krippen im Vertrieb durch Josef Thum genutzt worden.
 
Zur Ergänzung habe ich diesem Satz einen GDK Treiber aus einer 13er Kollektionsgröße als Pagen hinzugesellt. Das ist u. a. eine der guten Möglichkeiten, Krippen um Figuren aufzustocken ohne dabei stilbrüchig werden zu müssen.

 

Der König Balthasar ist irgendwann einmal schwerst verunglückt. Der Sockel oberhalb der Schuhe sowie der Kopf waren abgetrennt. Zudem war die Figur am Hut sowie im Gesicht arg bestoßen und auch sonst überall mit kleineren wie größeren Macken und Abplatzern übersät. Der Reparierer ist selten geschickt vorgegangen und hat den Sockel wie auch den Kopf passgenau und ohne das Verursachen eines Kleberkragens wieder angesetzt, so dass nur noch Haarrisse im Bereich der Klebestellen auszumachen sind. Diese Haarrisse sowie zwei kleine Abplatzer am Hals und das "geflickte" rechte Hosenbein, habe ich der Figur auch nach der Restaurierung belassen. Der Flicken auf der Hose ist natürlich nur ein Farbklecks, welcher eine Macke verdecken soll aber eben nicht im passenden Farbton angemischt worden ist. 

 

 

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