Die hier beschriebenen Figuren sind eine echte Rarität. Es handelt sich um die Ursprungsmodelle der so genannten "Bethlehem Krippe" wie sie später vom Deutschen Kunsthaus, Düsseldorf in hohen Auflagen vertrieben worden ist.

 

Die Patentlegung für die hier gezeigten Stücke erfolgte im Jahr 1908. Die Patente wurden zunächst von den Delin Fréres, Paris genutzt, der Werkstatt aus welcher die hier vorgestellten Figuren stammen. Nachdem die Kunstanstalt Gerhard Winning (ab 1927 Deutsches Kunsthaus, Düsseldorf) die Nutzungsrechte erhalten hatte, wurden einige der Modelle modifiziert. So wurde aus dem stehenden alten Hirten mit Kind, ein kniender alter Hirte mit Kind. Den knienden Hirten mit Seitenschaf hingegen brachte man auf die Beine und machte ihn zu einem Lammträger im Laufschritt. Leichtere Abwandlungen sind bei dem knienden König sowie dem stehenden weißen König zu beobachten. Der Sackpfeifenspieler blieb in dieser Form für die so genannte "Altelfenbein Krippe" des Deutschen Kunsthauses erhalten, während in der "Bethlehem Krippe" nun ein Querflötenspieler zu finden war. Darüber hinaus wurden die Modelle des Gloriaengels, von Ochse & Esel sowie der Schafe gegen komplett andere ausgetauscht. Bei Kamel und Treiber war von der Kollektionsgröße abhängig welche Modelle zum Einsatz kamen. Auf diesen Umstand wurde in den Katalogen eigens hingewiesen- und selbst das Kind nahm unterschiedliche Erscheinungsbilder an.  Unverändert erhalten blieben somit nur Maria, Josef und der König Caspar.

 

Zu diesen Figuren gibt es 2 Schafsätze: einen mit "Stroh"schafen (oberhalb dem grünen Sockel, wurde der Beinzwischenraum mit Strohgarben verfüllt) und einen mit Schafen, die dem Seitenschaf des knienden Hirten modellgleich sind. Die "Stroh"schafe waren typisch für die Delin Fréres und wurden vielen deren Krippen hinzusortiert. Neben den beiden hier vorhandenen Modellen (dem Widder und dem grasenden Schaf) gab es noch ein liegendes und ein schauendes Schaf. Ungewöhnlich aber für diese Figurenfabrik typisch: bei der Zusortierung der Schafmodelle wurde auf den korrekten Maßstab keinen großen Wert gelegt, so dass die Schafe generell zu klein ausfallen.

 

Der in sich gekehrte Ausdruck dieser Figuren wird durch die zurückhaltende Polychromie wunderbar unterstrichen. Diese Art der Darstellung ist dem Nazarener Stil entliehen, der die an der Geburt und Anbetung des Christkindes teilhabenden Personen als wesentliches Stilelement stets zurückhaltend und andächtig zeigt. Typisch für die frühe Enstehungszeit auch die Goldstrichapplikationen an den Halsauschnitten, Bündchen, Säumen und Revers bei den Kleidungsstücken der heiligen Familie- ein Stilmittel der Polychromeure welches den Nimbus der Heiligkeit herausstellen sollte.

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