Dieser Satz Krippenfiguren weist eine Reihe von Merkmalen auf, die ihn zu etwas Außergewöhnlichem machen. Vom technischen Aspekt her fällt sogleich auf, dass die Figuren wenig kompakt gestaltet sind. Es gibt viele freistehende Beine sowie abstehende Arme und Hände, was ungewöhnliche da seltene Posen erlaubt aber die Anfälligkeit der Figuren stark erhöht. Stilistisch suchen die Figuren ebenfalls ihres Gleichen. Sowohl die Gesichter mit ihrer ausgeprägten Mimik, die ungewöhnlichen Körperhaltungen und Gesten als auch die Kleidung der Figuren weichen von den gängigen, oft zitierten Mustern, grundlegend ab. Das hier einmal maßstabgetreue Jesuskind liegt als wirkliches Neugeborenes dargestellt auf einem Tuch, welches wiederum  auf etwas Stroh und dieses letztlich auf dem Mantel der Madonna gebettet ist. Der hl. Josef trägt eine ungewöhnliche Kopfbedeckung, die an eine Nachtmütze erinnert. Die Hirten tragen einen Mix aus den Moden längst vergangener Epochen. Auffällig ist die Vielzahl von Kinderfiguren. Der Ausschau haltende Hirte führt einen korbtragenden Knaben an der Seite mit sich. Darüber hinaus gibt es zwei Hirtenknaben als Einzelfiguren- einer trägt stolz ein Lämmchen vor dem Bauch, der andere einen riesigen Hut, unter dem er, würde er ihn aufsetzen, glatt verloren gehen könnte. Aber nicht nur im Hirtenvolk finden sich Kinderfiguren. Melchior, als klassischer, gealterter Herrscher europäischer Herkunft dargestellt, kommt als Gruppe nebst kleinem, schwarzgelocktem Mohren, der dem knienden Gebieter als  Schleppenträger dient, daher. Caspar, dem Mohr, der Gewänder mit vielen Anleihen aus dem Orientalischen trägt, steht ein - als Einzelfigur gearbeiteter - Mohrenpage zur Seite. Balthasar, der in seiner Darstellung stark an den Prinzen, wie man ihn aus diversen Märchenillustrationen kennt, erinnert, verfügt ebenfalls über einen einzelnen, kleinen Diener, welcher ihm auf einem dicken Kissen die Reichskrone hinterdrein trägt. Der Kameltreiber trägt geschultertes Gepäck und in der freien Hand den Strick des großen Kameles, welches ihm mit lang gestrecktem Hals unbeteiligt hinterher trottet. Nicht zu vergessen der kniende Hirt mit den gefalteten Händen, der Obst in seinem abgelegten Hut herbeigeschafft hat und der gehockt gehende Hirt mit seinem großen roten Hut und langem Stab in der rechten Hand. Die beiden zuletzt angesprochenen Figuren passen stilistisch sehr gut ins Ensemble, gehören aber einer anderen Kollektionsgröße an. Komplett wird das Ganze durch zwei kniende Anbetungsengelchen, den stattlichen, sanft schauenden Ochsen, den geduldig anmutenden Esel, 5 Schafe und den Hirtenhund.

Für viele dieser Figuren ist verbürgt, dass deren Modelle von Karl van Meegen entworfen worden sind. Der Entwurf erfolgte "nach Bachlehner", womit Josef Bachlehner, der Jüngere (1921 - 1979) aus Tirol gemeint sein dürfte. Auf den Figuren finden sich 3 verschiedene Marken: DvO (2 Figuren), der ursprüngliche Anbieter dieser Figuren, BGK, der Betrieb der die Patente übernommen haben dürfte, PGK (2 Figuren), die Nachfolgefirma von BGK. Das Auffinden der 3 Marken veranschaulicht 2 Dinge: höchstwahrscheinlich wurden alle der Figuren nach dem 2. Weltkrieg hergestellt und gekauft. Für die beiden DvO gemarkten könnte die Herstellung noch vor Kriegsende gelegen haben, gekauft wurden sie hingegen ab den späten 1940er Jahren. Der Satz,  so wie er sich heute präsentiert, wurde Stück für Stück gekauft, also über Jahre immer wieder ergänzt. Wie häufiger zu beobachten wurden auch hier zur weiteren Ergänzung 3 Masseschafe und später auch solche aus Plastik hinzugekauft.  

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