Die sogenannte "Volkskrippe" von Butzon & Bercker ist einer der am häufigsten plagiierten Krippensätze überhaupt. Als Volkskrippe bezeichnete Butzon & Bercker ihn, weil er in den Katalogen als "besonders preiswert" ausgelobt wurde, um sicherzustellen, dass sich wirklich jeder Haushalt eine Hartgusskrippe leisten konnte. Obwohl diese Modelle sowohl in 12 cm als auch in 20 und 30 cm gefertigt wurden, entwickelte sich der Satz in 30 cm zum wahren Evergreen. Unzählige Gipsfigurenfabriken haben diese Modelle (ob erlaubt oder unerlaubt?) genutzt. Die Formen wurden sogar ins Silikonzeitalter überführt, so dass diese Figuren auch gegenwärtig in den Niederlanden noch fleißig nachgegossen werden. Keine andere Krippe ist in 30 cm so häufig gut erhalten zu finden wie diese. Das hat natürlich mit der einst weiten Verbreitung aber auch damit zu tun, dass sie bishin zu den letzten Zügen der Gipsfigurenindustrie gefertigt wurde. Für Kirchenhäuser und alle anderen öffentlichen Gebäude bot dieses Angebot tatsächlich die Chance, für vergleichsweise wenig Geld Figuren in einer stattlichen Größe zu erwerben- und das wurde äußerst rege genutzt!

 

Obwohl der Satz insgesamt nichts Spektakuläres zu bieten hat, finden sich doch ein paar aparte Modelle darin- so der Hirte mit Seitenschaf, der kniende Hirt mit Obstkorb, der kniende Melchior, das imposante Kamel und natürlich der Hund, den es sonst gerade in dieser Größe nirgends inklusive gab. Interessant ist zu beobachten, dass obwohl es mindestens 8 verschiedene Schafsmodelle gab, in den ausgelieferten Sätzen meistens nur 2 geradeausschauende, stehend, 3 geradeausschauende, liegend und 1 Widder zusortiert worden sind. Das liegt daran, dass aus diesen 3 Basismodellen alle abweichenden Modelle eigens gemacht werden mussten. Den Mehraufwand dafür hat man sich - gerade in Zeiten, wo die Produktion auf Hochtouren lief - sicher gerne erspart.

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